Ermittler haben nach mehreren Anschlägen auf Züge der Deutschen Bahn in Bayern und in Berlin einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handle sich um einen mutmaßlichen Sympathisanten der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), teilten die Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt Bayern mit. Der 42-jährige Iraker sei am Montag in seiner Wohnung in Wien gefasst worden. Er soll vor rund fünf Monaten mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München gelegt und ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt haben. Ein ICE hatte die Hindernisse überfahren, wurde aber nur leicht beschädigt.

Ende Dezember soll der mutmaßliche Täter einen ähnlichen Anschlag auf eine Bahnstrecke in Karlshorst bei Berlin verübt haben. An beiden Tatorten hinterließ er Drohbriefe in arabischer Sprache sowie Schmierschriften mit IS-Bezug.

Die Staatsanwaltschaft Wien erließ Haftbefehle unter anderem wegen des Verdachts der terroristischen Straftaten, des versuchten Mordes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Bayerische und Berliner Ermittlerinnen nehmen den Angaben zufolge an der Vernehmung des Manns in Wien teil. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, gestand der fünffache Vater die Taten. Den terroristischen Hintergrund bestreite er aber. Wie ein Sprecher des Landeskriminalamts in München sagte, ist der Iraker als Flüchtling nach Österreich gekommen. Weitere Details nannte er nicht. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der 42-Jähirge in Deutschland gelebt habe. "Er hat mit seiner Familie in Wien gelebt", sagte der Sprecher.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einer "hervorragenden internationalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich". Es sei gelungen, einen vermutlich hochgefährlichen Täter aus dem Verkehr zu ziehen. Weitere Ermittlungen sollten nun vor allem Aufklärung über einen möglichen IS-Bezug und über mögliche Hintermänner des Verdächtigen bringen.