Der Erzbischof von Lyon, Philippe Barbarin, ist wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in der französischen Stadt verurteilte den Kardinal zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung, weil er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt habe. Barbarin kündigte anschließend an, beim Papst seinen Rücktritt einreichen zu wollen. Seine Anwälte wollen in Berufung zu gehen.  

Das Urteil kommt überraschend, da die Staatsanwaltschaft keine Verurteilung gefordert hatte – unter anderem, weil ein Teil der Tatbestände verjährt sei. Kardinal Barbarin und fünf weiteren Geistlichen wurde vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester nicht weiter verfolgt zu haben. Dieser soll in den Achtzigerjahren gegen Dutzende Kinder übergriffig geworden sein.

Ein Opferverein hatte das Verfahren angestrengt, das im Januar begann. "Ich habe nie versucht, diese schrecklichen Taten zu verbergen, geschweige denn sie zu vertuschen", hatte Barbarin zu Prozessbeginn gesagt. Die Anwälte der Verteidigung sprachen von einem Schauprozess. Während des dreitägigen Verfahrens hatten auch Missbrauchsopfer ausgesagt. "Das ist historisch", sagte Gino Hoel, Direktor der französischen Zeitschrift Golias, die sich mit religiösen Themen beschäftigt, dem Sender Franceinfo. "Wenn Kardinal Barbarin nicht zurücktritt, wäre das undenkbar."

Unterdessen hat ein italienisches Gericht im mittelitalienischen Prato einen Priester zu vier Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. In dem Prozess, in dem es auch um sexuellen Kindesmissbrauch ging, ist erstmals in Italien ein Erzbistum als ziviler Nebenkläger aufgetreten.

Der Schuldige muss 50.000 Euro Entschädigung für das Opfer zahlen, wie Medien in Italien berichteten. Der Mann war im Juli vergangenen Jahres in seinem Auto von einem Passanten entdeckt worden, als er sich an einem zehnjährigen Mädchen verging.