Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Zyklon Idai ist die Zahl der Todesopfer in Mosambik auf mindestens 615 Menschen gestiegen. Das sagte ein Sprecher des UN-Nothilfebüros Ocha. Die Lage sei immer noch kritisch, sagte Umweltminister Celso Correia. Helfer meldeten die ersten Fälle von Cholera und Malaria. Bei Menschen, die von den Fluten noch immer eingeschlossen sind, gebe es Fälle von Malaria, teilten das Rote Kreuz und der Rote Halbmond mit. Aus Beira gebe es zudem Meldungen über Cholera-Erkrankungen. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen hat die Katastrophe unter den derzeit größten Noteinsätzen neben den Hilfsaktionen im Jemen, Syrien und Südsudan eingereiht.

"Der nächste Schritt ist, sauberes Trinkwasser sicherzustellen, denn Krankheiten kommen als nächstes", sagte die Exekutivdirektorin des UN-Kinderhilfswerks, Henrietta Fore. Nach einer derartigen Katastrophe sei das Risiko vor allem von Durchfallerkrankungen wie Cholera extrem hoch, denn es gebe kaum sauberes Trinkwasser, kein funktionierendes Abwassersystem und Leichen zersetzen sich in den angestauten Gewässern. Zudem sei man sehr besorgt über eine Zunahme von Malariaerkrankungen wegen des stehenden Wassers, sagte Fore.

Das Technische Hilfswerk (THW) schickte neun Hilfskräfte in die Flutgebiete. Sie sollen Engpässe in der Trinkwasserversorgung überbrücken, indem sie zwei Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung bauen. Diese seien in der Lage, bis zu 10.000 Liter Wasser pro Stunde aufzubereiten.

Unzählige verzweifelte Menschen warten immer noch auf Nahrung und Trinkwasser. Weil die Infrastruktur weitgehend zerstört wurde, kamen Helferinnen und Helfer nur schwer voran. "Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt", sagte Fore. Es regne weiter und die schwellenden Flüsse könnten weitere Orte unter Wasser setzen. Laut dem WFP sind mehr als 1,7 Millionen Menschen betroffen, mindestens 600.000 haben ihre Bleibe verloren. Die UN und andere humanitäre Helfer seien schon seit Tagen im Einsatz. "Aber jetzt, da das unglaubliche Ausmaß der Schäden deutlich wird, steigt die Zahl der Menschen, die Hilfe brauchen, rapide", sagte WFP-Sprecher Herve Verhoosel.

Humanitäre Hilfe wird ausgebaut

Für den Einsatz im Katastrophengebiet stehen dem UN-Nothilfebüro Ocha zufolge bislang nur elf Hubschrauber zur Verfügung. Ein weiterer sei auf dem Weg, sagte ein Sprecher. Viele Menschen konnten sich wegen der rasch steigenden Wassermassen nur auf Hausdächer und Bäume retten und mussten dort tagelang auf Hilfe warten.

Laut der Katastrophenschutzbehörde sind bislang rund 90.000 Menschen gerettet worden. Im benachbarten Simbabwe haben Rettungskräfte mehr als 145 Tote geborgen, sagte ein Sprecher der Streitkräfte. Die Zahl dürften weiter steigen. Allein in Mosambik könnten mindestens 1.000 Menschen durch Idai gestorben sein, fürchten die Behörden.

Der Zyklon der Stärke vier von fünf war vergangene Woche mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean bei Beira auf Land getroffen. Sturmfluten und massive Überschwemmungen waren die Folge.