In Ecuador haben Sicherheitskräfte einen mutmaßlichen Mitarbeiter der Enthüllungsplattform WikiLeaks festgenommen. Der Verdächtigte sei gefasst worden, als er gerade nach Japan ausreisen wollte, sagte Innenministerin María Paula Romo. Der schwedische Softwareentwickler soll ein enger Vertrauter von WikiLeaks-Gründer Julian Assange sein. Er wird verdächtigt, mit Versuchen in Verbindung zu stehen, die Regierung von Präsident Lenín Moreno zu destabilisieren.

"In Ecuador gibt es einen Plan der Destabilisierung, der mit geopolitischen Interessen zu tun hat", sagte Innenministerin Romo nach der Festnahme des Verdächtigen. Ecuadorianische Behörden gehen nach eigenen Angaben gegen einen Erpresserring vor, der Präsident Lenín Moreno mit Vergeltung gedroht haben soll. Innenministerin Romo sprach von russischen Hackern und einer Person aus dem Dunstkreis von WikiLeaks, die in Ecuador aktiv seien. Der nun festgenommene Schwede hatte die Darstellung der Ministerin auf Twitter als "sehr beunruhigend" bezeichnet. "Das kommt mir wie eine Hexenjagd vor", schrieb er.

Zuvor war WikiLeaks-Gründer Julian Assange nach fast siebenjährigem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London von der britischen Polizei festgenommen worden. Der linksgerichtete ecuadorianische Präsident Rafael Correa hatte Assange 2012 das Botschaftsasyl aus humanitären Gründen gewährt.

WikiLeaks-Gründer - Festnahme von Julian Assange Die britische Polizei hat den WikiLeaks-Gründer in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen. Nach sieben Jahren wurde ihm der Asylstatus entzogen. © Foto: Victoria Jones

Correas Nachfolger Lenín Moreno warf Assange jedoch vor, sich in die inneren Angelegenheiten des südamerikanischen Landes einzumischen. Er hob das Asyl für den 47-jährigen Australier auf. Zuletzt tauchten Dokumente auf, die Moreno und seine Familie mit Korruption und Geldwäsche in Verbindung bringen. Moreno glaubt, die Informationen seien von WikiLeaks veröffentlicht worden. 

Die USA sehen in Assange einen Staatsfeind und fordern die Auslieferung des Aktivisten, der in den USA wegen Verschwörung zur Attacke auf Regierungscomputer angeklagt wurde. Dafür drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Die Vorwürfe beziehen sich auf die WikiLeaks-Publikationen Hunderttausender geheimer Regierungsdokumente in den Jahren 2010 und 2011, die WikiLeaks von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren.