Rund die Hälfte der Absolventen von Deutschtests für Zuwanderer haben diesen 2018 nicht erfolgreich beendet. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage des AfD-Abgeordneten René Springer hervor, die der Neuen Osnabrücker Zeitung vorliegt. Demnach haben im vergangenen Jahr von den 172.471 Migrantinnen und Migranten, die erstmalig an einem Deutschkurs teilnahmen, 51,5 Prozent das Kursziel Sprachniveau B1 verfehlt. Im Jahr zuvor waren es 48,3 Prozent.

Die Quote derjenigen, die zur Teilnahme verpflichtet sind und das Kursziel nicht schafften, lag dabei 2018 deutlich höher als bei den freiwilligen Teilnehmenden, die es in diesen Kursen ebenfalls gibt. Ihre Teilnahme verbessert die Gesamtquote daher. Von den 113.727 Pflichtteilnehmenden erreichten 57,4 Prozent das Niveau B1 nicht. Bei den Freiwilligen beendeten 40,1 Prozent den Kurs ohne Erreichen des B1-Niveaus. Auch bei denjenigen, die die Kurse wiederholen, erreichte ein erhöhter Anteil der Teilnehmenden das angestrebte B1-Ziel nicht. 2017 schafften es laut Innenministerium 65,7 Prozent nicht. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil auf 74,7 Prozent.

Allerdings fällt nicht jeder Teilnehmer, der den Kurs nicht mit B1 beendet, durch die Prüfung: Einige treten diese gar nicht erst an, und viele erreichen zumindest das niedrigere Niveau A2. So verwies das Innenministerium darauf, dass zwar der Anteil derjenigen, die B1 erreichten, gesunken, aber zugleich der Anteil der Zuwanderer, die das Niveau A2 schafften, gestiegen sei.

Wegen des geringen Bildungsniveaus vieler Teilnehmenden, die zum Teil keine Grundschulbildung hätten, sei auch ein Abschluss mit A2 ein "beachtlicher Erfolg", sagte ein Ministeriumssprecher. Bei A2 können Personen häufig gebrauchte Ausdrücke und Sätze verstehen und sich in einfachen Situationen verständigen.

"Wichtig ist, dass mehr Einwanderer den Integrationskurs erfolgreich abschließen. Denn es geht nicht nur um ein Häkchen auf dem Papier, sondern darum, die Menschen zu befähigen, gesellschaftlich und beruflich Fuß zu fassen", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU). Ihr zufolge ist es gut, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer an "konkreten Qualitätsverbesserungen" arbeite. Widmann-Mauz hatte im August Vorschläge für eine "Qualitätsoffensive Integrationskurse" gemacht. Dazu zählten unter anderem finanzielle Anreize für Kursanbieter und Lehrkräfte, "damit ausreichend Alphabetisierungskurse angeboten werden, um den gestiegenen Bedarf zu decken."

Integrationsminister beraten Verbesserungen

Die integrationspolitische Sprecherin der Grünenfraktion, Filiz Polat, kritisierte dagegen, dass das Innenministerium zwar von einer Qualitätsoffensive rede, aber bislang noch nichts passiert sei. Nicht die Geflüchteten seien das Hauptproblem bei den Sprachkursen, sondern das mangelhafte System des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), die derzeit der Integrationsministerkonferenz vorsitzt, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die Entwicklung bei den Testergebnissen "nicht zufriedenstellend" sei. Die Ressortchefs wollten auf ihrer zweitägigen Konferenz, die an diesem Freitag zu Ende geht, über Verbesserungen sowohl bei der Qualität der Kurse als auch bei der Abstimmung zwischen Bamf, Bund und Ländern beraten.

Laut Bamf weist derjenige, der den "Deutsch-Test für Zuwanderer" mit B1 abschließt, nach, dass er auf der unteren Stufe des Bereichs "Selbstständige Sprachverwendung" Probleme des Alltags flexibel bewältigen kann. Also: Indem er zum Beispiel ein Gespräch aufrechterhält und in alltäglichen Situationen ausdrücken kann, was er sagen möchte.

Auch die Integrationsministerkonferenz hatte Mängel bei der Organisation und Durchführung der Deutschkursangebote des Bundes beklagt.  Sie forderten, die verschiedenen Angebote an Erstorientierungs- und Integrationskursen sowie die berufsbezogene Sprachförderung des Bundes zu vereinheitlichen, besser aufeinander abzustimmen und zu verzahnen.