Die chinesischen Behörden haben offiziell Haftbefehl gegen den ehemaligen Interpol-Chef Meng Hongwei erlassen. Er sei vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Korruption festgenommen worden, teilte die Oberste Staatsanwaltschaft des Landes mit. Faktisch ist der einst mächtige chinesische Politiker bereits seit vergangenem Herbst nicht mehr auf freiem Fuß. Er war im September vom Interpol-Sitz in Frankreich nach China gereist und dort "unter Aufsicht" genommen worden.

Im März wurde der ehemalige Vizepolizeiminister dann aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, der Fall wurde der Staatsanwaltschaft übergeben. Darauf folgt in China in aller Regel eine Anklage und eine anschließende Verurteilung.

Meng Hongwei wurde vorgeworfen, "seine Position und seine Macht zum persönlichen Vorteil missbraucht", staatliche Gelder für die Finanzierung des "extravaganten Lebensstils seiner Familie verschwendet" und die Prinzipien der Partei missachtet zu haben, wie die parteiinterne Disziplinarkommission mitteilte.

Die Frau von Meng Hongwei hatte ihn bei den französischen Behörden als vermisst gemeldet, weil sie nichts mehr von ihm gehört hatte, seit er nach China gereist war. Die Art und Weise, wie der chinesische Interpol-Chef plötzlich ohne vorherige Ankündigung aus dem Verkehr gezogen wurde, hatte internationale Kritik ausgelöst.

Neben Meng Hongwei sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Funktionäre ins Visier der Antikorruptionskampagne von Präsident Xi Jinping geraten. Seit dessen Amtsantritt im November 2012 sind Dutzende hochrangige Politiker, Militärs und Manager wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden.