Sri Lanka kommt auch fünf Tage nach den Selbstmordanschlägen auf Hotels und Kirchen nicht zur Ruhe. Polizei und Armee fanden in einem Wohnhaus in Sammanthurai im Osten des Landes mehrere Sprengstoffwesten und Material für den Bau von Bomben. Nach der Razzia gab es nach Behördenangaben drei Explosionen und eine Schießerei. Sieben junge Männer seien festgenommen worden. Fernsehbilder zeigten eine Flagge der radikalislamischen Terrormiliz "Islamischer Staat". Weitere Details sind bislang nicht bekannt.

Zuvor hatte die Polizei unter Verweis auf Geheimdienstinformationen mitgeteilt, dass Islamisten weitere Attacken auf Einrichtungen der islamischen Strömung der Sufisten planten. In einer Moschee in der Hauptstadt Colombo wurden demnach mehr als 40 Schwerter, Messer und armeeähnliche Uniformen gefunden. Die Polizei habe die Sicherheitsvorkehrungen an Moscheen von Sufisten erhöht, hieß es.

Nur wenige Moscheen boten am Freitag das traditionelle Gebet an. Katholische Sonntagsmessen wurden bis auf Weiteres ausgesetzt. Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith, rief zu finanziellen Hilfen für die Betroffenen auf. Auch für den Wiederaufbau der beschädigten Kirchen werde Geld gebraucht, sagte er.

Die US-Botschaft in Colombo warnte davor, zwischen Freitag und Sonntag Gotteshäuser zu besuchen. Zudem seien Flughäfen, Hotels, Krankenhäuser, Restaurants, Märkte und andere öffentliche Orte potenzielle Anschlagsziele.

Das Auswärtige Amt erklärte, es bestehe die Gefahr von weiteren Anschlägen in Sri Lanka. Die Sicherheitslage sei "im ganzen Land angespannt". Von nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka werde daher abgeraten.

Tui holt 150 Urlauber nach Deutschland

Der Reiseveranstalter Tui Deutschland begann, die Rückreise seiner Kunden aus Sri Lanka zu organisieren. Derzeit befänden sich etwa 150 Tui-Urlauber in Sri Lanka, teilte der Konzern mit. Sie würden von der Reiseleitung kontaktiert, um ihre vorzeitige Rückreise zu organisieren. Alle Reisen nach Sri Lanka bis zum 31. Mai seien abgesagt worden. Tui bot den betroffenen Kunden eine gebührenfreie Umbuchung oder eine Stornierung an.

Eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands sagte, bislang sei Tui der einzige deutsche Veranstalter, der Reisen nach Sri Lanka abgesagt habe und zur Rückreise auffordere. Schätzungen zufolge befänden sich rund 5.000 deutsche Urlauber auf der Insel. Weitere deutsche Reiseveranstalter boten kostenlose Stornierungen bereits gebuchter Reisen in das Land an.

Polizei sucht vier Männer und zwei Frauen

Bei den Anschlägen auf drei Fünfsternehotels und drei christliche Kirchen sowie bei zwei weiteren Explosionen waren am Ostersonntag mindestens 253 Menschen getötet worden. 485 Menschen wurden verletzt, 149 von ihnen sind laut Gesundheitsministerium noch im Krankenhaus. Das Ministerium hatte die bislang mit 359 angegebene Zahl der Toten in der Nacht zum Freitag korrigiert, da mehrere verstümmelte Leichen doppelt gezählt worden seien.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei christlichen Kirchen in mehreren Städten und in drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und in einer Wohngegend Colombos. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünfsternehotel scheiterte. Trotz einiger Festnahmen sucht die Polizei weiter nach Verdächtigen und bat die Bevölkerung um Hinweise auf vier gesuchte Männer und zwei Frauen.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die Selbstmordanschläge für sich reklamiert. Die Echtheit der Nachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Sri Lankas Behörden machen eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich, die Hilfe aus dem Ausland gehabt haben soll. Nach Einschätzung der Regierung waren die Taten als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht.