Es gibt nur drei Feiertage in Deutschland, die keinen christlichen Hintergrund haben: Neben Neujahr, das seinen Ursprung im alten Rom hat, zählt der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober dazu – und eben der 1. Mai. Aber was feiern wir da eigentlich?

Der Tag der Arbeit ist in vielen Ländern ein Feiertag. Er geht auf eine Demonstration am 1. Mai 1886 zurück. In Chicago fordern Arbeiterverbände den Achtstundentag und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. 1890 finden auch in Deutschland Maiproteste statt. Er wird zum Protesttag der Arbeiterbewegung. Vor genau 100 Jahren erklärt die Nationalversammlung der Weimarer Republik den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag – jedoch nur für das Jahr 1919. Es gibt Streit über den Protesttag. Als die KPD 1929 trotz Demonstrationsverbot zu Protesten aufruft, enden diese in einer Schießerei.

1933 wird der 1. Mai zum dauerhaften Feiertag, die Nationalsozialisten instrumentalisieren ihn für ihre Propaganda. Ab 1946 wird der Tag sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik begangen. Nach der Wiedervereinigung rufen ost- und westdeutsche Gewerkschaften am 1. Mai 1990 erstmals zu gemeinsamen Demonstrationen auf. 

Digitalisierung und prekäre Jobs

Und heute? Die großen Autobauer stehen vor der Verkehrswende, Beschäftigungsverhältnisse werden unsicherer, durch die Digitalisierung entstehen neue Berufe mit oft prekären Jobs und Arbeitsbedingungen. Gründe, um am Tag der Arbeit auf die Straße zu gehen, gäbe es also viele. Doch die Zahlen der Demonstrantinnen und Demonstranten gingen in den vergangenen Jahren zurück. Während die jungen Anhängerinnen der Fridays for Future wöchentlich protestieren, locken die Kundgebungen am 1. Mai vor allem wegen ihres Volksfestcharakters Besucherinnen und Besucher an.

Wir wollen von Ihnen wissen: Was bedeutet der 1. Mai für Sie? Nehmen Sie an einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes teil? Oder freuen Sie sich vor allem über einen freien Mittwoch? Was bedeuten Arbeitskämpfe im Angesicht von Globalisierung, Digitalisierung und Rechtsruck? Sind Gewerkschaften noch relevant? Sind sie es erst recht, seit rechtsextreme Kräfte in der gewerkschaftlichen Arbeit immer präsenter werden?

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