Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich in die Debatte über das Tanzverbot am Karfreitag eingeschaltet. Er sei erstaunt darüber, was Juso-Chef Kevin Kühnert für wichtig halte und welche Interessen er bedienen wolle, sagte Thierse den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Kühnert hatte für eine Aufhebung des Verbots plädiert. "Bisher wusste ich nicht, dass die SPD eine Spaßpartei ist", sagte Thierse. Der 75-Jährige ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Kühnert hatte gesagt, er würde keine Party in einer Kirche anmelden. Doch "wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können". Die Entscheidung, an Karfreitag feiern zu gehen, müsse jedem selbst überlassen werden.

Auch die Jungen Liberalen in Hamburg sprachen sich dafür aus, das Tanzverbot abzuschaffen. Es sei "ein Relikt aus vergangenen Tagen", sagte JuLi-Vorsitzender Carl Cevin-Key Coste. Wer Karfreitag in Stille verbringen wolle, könne sich gegen das Feiern entscheiden. Dem Rest der Bevölkerung müsse es aber möglich sein, an diesem freien Tag zu tun, worauf er Lust habe. Kirche und Staat hätten nicht das Recht, den Menschen stadtweite Stille aufzuerlegen.

Bei geschlossenen Türen erlaubt

Am Dienstag hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart eine Veranstaltung an Karfreitag unter Auflagen erlaubt. Stuttgart wurde verpflichtet, die Vorführung der Filme Das Wort zum Karfreitag (mit humanistischem Tanzsegen) und Das Leben des Brian bei geschlossenen Fenstern und Türen zu erlauben.

Österreich streitet über den Karfreitag als Feiertag. Bislang gilt er nur für Angehörige der evangelischen Kirche, der altkatholischen Kirche und der evangelisch-methodistischen Kirche als gesetzlicher Feiertag. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshof aus dem Januar 2019 ist das diskriminierend für den Rest der Bevölkerung. Die Mehrheit gehört der römisch-katholischen Kirche an.