Aufständische Taliban haben das Büro der internationalen Hilfsorganisation Counterpart International in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bei einer Explosion und anschließendem Schusswechsel mit Sicherheitskräften mindestens neun Menschen verletzt.

"Einige Angreifer sind auf das Gelände der NGO vorgedrungen", sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums. Augenzeugen berichteten, die Explosion habe umliegende Gebäude – darunter auch das Büro des Generalstaatsanwalts – erschüttert und Fensterscheiben bersten lassen. Ein Mann, der in der Nähe arbeitet, sagte, er habe Schüsse und die Explosion von Granaten gehört.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Deren Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte, die Nichtregierungsorganisation Counterpart International sei angegriffen worden, weil sie an "schädlichen westlichen Aktivitäten" beteiligt sei. Counterpart International mit Hauptsitz in Arlington in Virginia arbeitet in verschiedenen Projekten mit der US-Entwicklungsbehörde USAid zusammen.

Sowohl die aufständischen Taliban als auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" verüben häufig Anschläge in Kabul. Fast täglich gibt es im gesamten Land Angriffe der Taliban, die inzwischen weite Teile Afghanistans kontrollieren. Auch deshalb führen sie derzeit Gespräche mit Vertretern der USA über einen vollständigen Abzug der ausländischen Truppen – zunächst ohne Beteiligung der afghanischen Regierung.

Präsident Aschraf Ghani hatte vergangene Woche zum Abschluss einer Großen Ratsversammlung die Taliban zum Frieden aufgerufen und versprochen, 175 gefangene Taliban vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan freizulassen. Die Islamisten hatten jedoch angekündigt, ihren "heiligen Krieg" auch im muslimischen Fastenmonat fortzusetzen.