Bei ihrem diesjährigen Treffen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burn-out erstmals als Krankheit anerkannt. Künftig wird der verbreitete Belastungszustand als Syndrom aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird" definiert. Damit wurde eine jahrzehntelange Debatte unter Fachleuten beendet.

Die Gesundheitsexperten sehen drei Dimensionen der Krankheit: ein Gefühl von Erschöpfung, zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job sowie verringertes berufliches Leistungsvermögen. Explizit weist die WHO darauf hin, dass der Begriff Burn-out ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht "für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen" verwendet werden sollte.

Die Entscheidung wurde auf der World Health Assembly in Genf, dem höchsten Entscheidungsgremium der WHO, getroffen. Ihre Klassifikation der Krankheiten ist seit Anfang der Neunzigerjahre gültig und enthält Beschreibungen von Tausenden Krankheitsbildern. Die dazugehörigen Codes werden international verwendet. Die neue Klassifikationsliste mit dem Namen ICD-11 soll im Januar 2022 in Kraft treten. In ihr sind weitere Änderungen enthalten.

Schon im vergangenen Jahr hatte die WHO beschlossen, "zwanghaftes Sexualverhalten" als psychische Störung anzuerkennen. Nun sollen parallel zu Glücksspiel oder Drogen erstmals auch Videospiele als möglicher Auslöser einer Sucht in die Klassifikation der Krankheiten aufgenommen werden.

Geschlechtsangleichung - "Sie sagen, 'Kastration' sei keine unmenschliche Voraussetzung" In sechs EU-Staaten müssen sich Transmenschen vor der Änderung ihres Geschlechtseintrags sterilisieren lassen. Die EU würde das gerne ändern, darf es aber nicht. © Foto: Sven Wolters

Weiterhin fallen Transgender-Personen nicht länger unter die Definition für psychische Störungen. Stattdessen wird das Thema in dem Kapitel behandelt, das sich mit sexueller Gesundheit beschäftigt.