Bischöfe, Priester und Diakone müssen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche künftig melden. "Während diese Verpflichtung bis dato in einem gewissen Sinne dem persönlichen Gewissen überlassen war, wird sie nunmehr zu einer universell gültigen Rechtsvorschrift", sagte der Chefredakteur der Kommunikationsabteilung des Vatikans, Andrea Tornielli. Das von Papst Franziskus erlassene Gesetz soll am 1. Juni in Kraft treten.

Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist nicht vorgesehen. Die katholischen Diözesen weltweit müssen den Angaben nach bis spätestens Juni nächsten Jahres "ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche" Anlaufstellen für Anzeigen einrichten.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) kritisierte den Schritt als nicht ausreichend. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist von Strafgerichten zu beurteilen", sagte Barley. "Die schrecklichen Missbrauchstaten sind keine interne Angelegenheit der katholischen Kirche." Sie forderte die Kirche auf, "jede Straftat" anzuzeigen, damit Staatsanwaltschaften ermitteln könnten. Andernfalls blieben die "Mauern des Schweigens" erhalten, die den Missbrauch so lange verdeckt und verschleiert hätten. Das jahrzehntelange Verleugnen und Vertuschen habe die alten Hierarchien erhalten, sagte die SPD-Politikerin.

Die katholische Kirche steckt seit Jahren wegen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern der Welt – auch in Deutschland – in einer ihrer schwersten Krisen. Während der Amtszeit von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. wurde bekannt, dass sich massenhaft Geistliche an Kindern vergangen hatten und von Oberen gedeckt wurden. Franziskus steht nun stark unter Druck, seinen Worten von einer "Null Toleranz"-Politik auch Taten folgen zu lassen.

Das nun veröffentlichte Gesetz ist eine Folge des Antimissbrauchsgipfels, zu dem der Papst Ende Februar die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen in den Vatikan geladen hatte. Danach war kritisiert worden, dass der Pontifex keine umfassenden Schritte im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern unternommen habe. Zuletzt stellte Franziskus einzig für den kleinen Vatikanstaat – in dem kaum Kinder leben – entsprechende Regeln auf.