"Da ist so viel Destruktives, weißte?" – Seite 1

Konsequent, sagt Olaf Bernhardt, müsse man gegen die Kriminalität vorgehen. Mit einem "Du, Du" ließen sich Gewalttäter nicht vertreiben. Konsequent, das ist eines seiner Lieblingsworte. Bernhardt, 54 Jahre, ist einer, der sich einmischt. Ein Machertyp, der nur von seinem lädierten Knie ausgebremst wird. Er sitzt jetzt im Hinterraum seiner kleinen Currywurstbude, Ellenbogen auf dem Tisch, daneben Abrechnungen und schwarzer Kaffee. Ohne Zucker.

Bernhardts Laden ist das Curry54 am Hasselbachplatz. Im Zentrum von Magdeburg. Ein Platz, an dem es seit einiger Zeit schiefläuft. Und bei dem keine Änderung in Sicht ist. Zumindest nicht, wenn man Bernhardt fragt. Politiker und Juristen, die seien alle viel zu lasch. Die wüssten gar nicht, was hier nachts los sei. Klar, so eine Kneipenmeile sei nie ruhig, war sie nie. Aber seit ab 2015 die Flüchtlinge kamen, sei alles immer schlimmer geworden. "Oder die, die sich für solche halten", sagt Bernhardt. "Ich sehe das jeden Abend – dafür brauche ich mich auch nicht als rechts beschimpfen lassen."

In einer Stadt, der es gut geht, stirbt das Zentrum. Bars schließen, der Einzelhandel geht, die Stimmung ist mies. Hinzu kommen tatsächliche und vermutete Probleme mit Flüchtlingen. Die Menschen fühlen sich unsicher, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, suchen selbst nach Ursachen – einige auch nach Lösungen. Die Diskussion um den Hasselbachplatz zeigt, wovon Populisten und Angstmacher im Land profitieren. Vielleicht gerade im Osten der Republik.

Fragt man Olaf Bernhardt nach seiner Meinung über Politiker, sieht er das so: Er, der Currywurstkönig, reißt sich hier jeden Tag den Arsch auf. Die meisten Politiker, da ist er sich sicher, sitzen ihren nur platt. "Die Kohle kommt sowieso auf deren Konto", sagt er. Da schwingt die gläserne Ladentür auf, ein schmaler Mann mit Halbglatze, Schlips und Nickelbrille tritt ein. "Ah, da ist ja einer von den Schlaumeiern!", ruft Bernhardt. So nennt er Leute, die etwas zu sagen haben. Politiker. Er ruft das so laut, dass es der Gast hören muss. "Nicht so schlau wie du", versucht der einen Konter. Bernhardt lacht ein gewaltiges Lachen und winkt ab. Ob er den denn kenne? "Nö, ich erkenne aber, dass das einer dieser Oberschlaumeier ist!"

"Wenn hier jemand Frauen blöd anmacht oder sogar meine Mitarbeiter, dann handele ich", sagt Olaf Bernhardt. Und Probleme machten eben vor allem die Flüchtlinge. © Julius Betschka für ZEIT Online

Der Hasselbachplatz ist ein sternförmig angelegter Platz mit aufgehübschten Gründerzeithäusern. Seit Monaten gibt es Diskussionen um Gewalt, Schmutz und: Flüchtlinge. Die AfD hatte den Hasselbachplatz zum Thema gemacht, die lokale Zeitung berichtet prominent über die Kriminalität. Das macht Stimmung für die Rechten. Bei den Europawahlen Ende Mai kam die AfD auch in Sachsen-Anhalt auf 20,4 Prozent – stark, wie überall im Osten. Auch bei der Kommunalwahl in Magdeburg – wo die Rechts-Außen-Partei bislang eher schwach abschnitt – legte sie um 10 Prozent zu. Zugewanderte "drogendealende und aggressive 'Jugendliche'", so dröhnt es von der Facebook-Seite der AfD, verursachten die Unruhe am Hasselbachplatz. Sie wären der Grund für die Gewalt und dafür, dass der Stadtplatz zum Brennpunkt wurde. Alles soll den Eindruck vermitteln: Hier ist keiner mehr sicher. Und wer die Täter sind, ist sowieso klar.

Seit die Flüchtlinge ab 2015 auch nach Magdeburg kamen, gehe es bergab. So sehen das viele hier. Seit 2014 hat sich die Zahl der Ausländer in der Stadt etwa verdoppelt – von unter fünf auf fast zehn Prozent. Das Stadtbild hat sich dadurch verändert, besonders im Zentrum, am Bahnhof und am Hasselbachplatz. Das verunsichert einige. Olaf Bernhardt hat seit einiger Zeit einen Baseballschläger hinter dem Tresen, direkt neben den Fritteusen für die Pommes. Er habe da seine Erfahrungen gemacht.

Eigentlich ist Magdeburg eine Stadt, die sich gut entwickelt hat, kein aussterbendes Ost-Nest, immerhin Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Der Nachwende-Exodus konnte schon vor Jahren gestoppt werden. Es gibt einiges zu sehen: das Hundertwasserhaus, den ehrwürdigen, gotischen Dom, die Gründerzeitviertel um den "Hassel", wie die Magdeburger ihr Ausgehviertel nennen. Die Universität hat einen exzellenten Ruf, Studenten können in Magdeburg günstig leben. In Studien heißt es seit Jahren, Magdeburg sei besonders dynamisch, habe Potenzial, eine Stadt, in die man investieren solle. Die Magdeburger sind stolz auf ihre Stadt.

Auch der Hasselbachplatz hatte sich nach der Wende entwickelt. Zum angesagten Ausgehviertel, wo "der Puls der Stadt schlägt", so steht es in bestem Werbesprech in einem Prospekt der Stadt. Jeder, der etwas auf sich hielt, machte am "Hassel" einen Laden auf. Die Bars trugen Namen wie Urbar, Jakelwood oder Liebig. Man traf sich vor einer Bankfiliale an der Ecke, in der heute eine Bäckerei ist, man trank Pfefferminzlikör. Heimliche Dates, große Geburtstage, erste Alkoholabstürze. All das passierte rund um den Hassel. Im Stern etwa, wo die Punks saßen und "Sterni" tranken. Oder in der Urbar, dort dröhnten alte Rock-’n’-Roll- und Blues-Songs aus den Boxen. Oder im Flower Power. Beim DJ neben der Bar konnte man sich Musik wünschen und bis morgens um 5 Uhr feiern, manchmal länger. Das waren die Nullerjahre, eine Zeit des Aufbruchs.

Diese Jahre aber sind vorbei. Wer an einem Freitagabend über den Hasselbachplatz läuft, sieht heute: Tristesse. Urbar, Jakelwood, Liebig. Es gibt diese Bars nicht mehr. An einer anderen baumelt draußen ein Schild: "Betriebsferien" – niemand glaubt, dass die Betreiber wieder öffnen. Die wenigen geöffneten Bars sind gegen 23 Uhr halb leer, auf einer von drei kleinen Stahlbänken am Platz sitzt ein alter Trinker. Der ist dankbar über Gesellschaft und erklärt, dass er schon am Gesicht erkenne, ob er sich von Frauen eine Kippe schnorren könne. Frauen kommen nicht vorbei. "Schomma mehr los gewesen", nuschelt er. Einige Meter weiter vor einem Kiosk tanzen zwei Männer, schwarze Haut, weiße Shirts und kurze Rastazöpfe, krakeelen in die Nacht. Billiger Klarer fließt. Beide sind ziemlich dicht. An der Tramhaltestelle schütteln zwei ältere Herren mit den Köpfen. Früher, da hätte es so was nicht gegeben, sagen sie.

"Wie soll ich da ruhig bleiben?"

Im vergangenen Jahr wurde es besonders schlimm am Hasselbachplatz. Die örtliche Sparkasse schloss sogar den Nachtautomaten. Zu oft wurde nachts in die Filiale gepinkelt, randaliert. Man erzählte sich in Magdeburg Geschichten von Hells Angels, die hier einen Laden hatten, erzählt von Schutzgelderpressung und Mafiastrukturen, die sich entwickelt haben. Es gibt viele Magdeburger, die ihren Töchtern empfehlen, den Platz zu meiden. Zu viel Schlechtes hat man über den Platz gehört.

Statt der Bars haben jetzt Spätis aufgemacht. Läden, in denen man fast rund um die Uhr billigen Alkohol kaufen kann, Zigaretten und was man sonst noch so braucht, um die Nacht am Hasselbachplatz rumzubringen. Sie liefern den Treibstoff für Partynächte. Sieben Stück gibt es mittlerweile. Vor wenigen Jahren noch gab es nur einen. Die Läden sind den Barbetreibern ein Dorn im Auge. Statt bei ihnen Bier und Cocktails zu trinken, versorgen sich die Menschen für wenig Geld mit Schnaps aus dem Späti. Die Einnahmen fehlen den Kneipiers. Doch die Läden ändern auch die Kultur am Hassebachplatz: Vor den Läden sammeln sich die Trinker, grölen herum. Das gab es hier früher nicht. Fast jeden Abend gibt es Prügeleien oder kleinere Auseinandersetzungen. Ein Spätkauf ist als "Nazi-Späti" verschrien, dort gibt es den meisten Stress. Gegenüber halten sich größere Gruppen von Flüchtlingen auf, in dem Laden sind sie nicht erwünscht, erzählen Magdeburger.

Olaf Bernhardts Currybude liegt etwas abseits der Spätis. 2008 wurde sein Laden mal zur besten Currywurst Deutschlands gewählt. Das erzählt man sich noch heute in Magdeburg. Bernhardt ist ein Klartext-Mann. Wenn man ihn nach seinem Namen fragt, sagt er: "Olaf Bernhardt, Bernhardt mit DT wie Damentoilette." Er lacht. Der kommt immer gut. Und wie läuft's hier für deinen Laden, Olaf? "Hätte ich nur den Laden, ich weiß nicht, ob ich das noch lange machen würde." Bernhardt ist gelernter Koch, hat ein Catering-Unternehmen, seit 14 Jahren betreibt er nebenher die Bude am Hassel.

Olaf Bernhardt ist ein Enttäuschter. "Seit Jahren höre ich hier von Politikern nur Blabla, das hat einige schon die Existenz gekostet." Die Probleme aus seiner Sicht: Jugendliche, die nur auf Gewalt aus seien, hätten sich den Platz zu eigen gemacht. Die Spätdienste bekäme er kaum noch besetzt. Sein Personal habe Angst. Die Polizei habe man entmündigt, sagt er. Bernhardt ist einer dieser Menschen im Osten, die sich mehr staatliche Autorität wünschen, härteres Durchgreifen. Erst einige Tage zuvor sei ein Kumpel von ihm hier mit einer Flasche angegriffen worden. "Von hinten", sagt Bernhardt.

Es sind Vorfälle wie dieser, die den Menschen in Magdeburg Angst machen. Laut Polizeibericht hatte ein betrunkener und unter Drogen stehender Mann aus Eritrea Bernhardts Kumpel an einem Freitagabend seine Bierflasche auf dem Kopf zertrümmert. Die Polizei nahm ihn mit aufs Revier und ließ ihn wieder frei. Kurz darauf griff der Mann erneut Menschen mit einer Flasche an – wieder am Hasselbachplatz. Erst dann beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl. "Wie soll ich da ruhig bleiben?", fragt Bernhardt. Seine Hand wischt die halb volle Kaffeetasse vom Tisch. "Scheiße."

Schaut man sich die Schlagzeilen der letzten Monate in der Lokalpresse an, scheint sich Bernhardts Eindruck zu bestätigen: "Messerstecherei am Hassel", "Wieder Prügelattacke", "Prügel in Straßenbahn." Die Volksstimme berichtet groß über diese Ereignisse – nachdem der Presse nach 2015 vorgeworfen wurde, die Probleme kleinzuschreiben, scheint das Blatt diese Wahrnehmung ausgleichen zu wollen. Es gibt linke und grüne Politiker in Magdeburg, die polemisch vom "AfD-Blatt" sprechen. Namentlich zitieren lassen wollen sie sich lieber nicht. Die "Ausländerproblematik", so nennt das etwa ein Sprecher der Vereinigung von Magdeburger Händlern, wird nach wie vor diskutiert in der Stadt.

Es ist eine Mischung aus einer veränderten Ausgehkultur und aufsehenerregenden Gewalttaten, die die Stimmung hier vergiftet. Die Magdeburger Polizei versichert auf Anfrage, die Kriminalität am Hasselbachplatz sei nicht signifikant gestiegen. Es habe "leichte Schwankungen" in den vergangenen fünf Jahren gegeben, heißt es. Lediglich das vergangene Jahr habe eine deutliche Ausnahme in der Kriminalitätsstatistik gebildet. "Der signifikant hohe Anstieg der Straftaten" sei aber vor allem auf die Ausschreitungen während der Aufstiegsfeier des Fußballclubs 1. FC Magdeburg zurückzuführen, so eine Polizeisprecherin. Nach dem Aufstieg des Vereins in die zweite Bundesliga hatten sich Hooligans im vergangen April Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Mehrere reckten den Arm zu Hitlergruß. Die Bilanz: 38 verletzte Polizisten und Dutzende Festnahmen. Aber die Fans, die gehören für viele Magdeburger dazu. Vor denen haben die wenigsten Angst, die sind nicht fremd, sondern welche "von hier".

IG Hassel, Hasselmanagement – Ideen gibt es schon

Das Seltsame ist: das Problem hat die Stadt lange erkannt, es wurde einiges getan. Fast jeden Abend stehen Polizeiwagen auf dem Platz, die Präsenz der Beamten wurde deutlich erhöht. Es gibt gemeinsame Streifen mit dem Ordnungsamt. Außerdem hat die Stadt Videokameras installiert, dort, wo viele Jugendliche rumhingen, wurde das öffentliche WLAN abgestellt. Anlasslose Taschenkontrollen sind möglich. Der Rechtsstaat hat Zähne gezeigt. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ist nicht eben als Sozialromantiker bekannt: Er trat einst aus seiner Partei aus, nachdem ihm die Flüchtlingspolitik zu wenig repressiv war und er sich "nicht den Mund verbieten lassen wollte" – später trat er wieder ein. Vielen hier reicht das nicht. Sie fordern für den Hassel ein Alkoholverbot, eine ständige Polizeiwache. Noch mehr Repression.

Dass die Diskussion auch anders verlaufen könnte, zeigt ein Besuch im Café Central. Die Bar am südlichen Ende des Kneipenviertels liegt nicht nur geografisch um einiges entfernt von Currykönig Olaf Bernhardt. Geschwungene Holzmöbel, Perserteppiche auf dem Boden, die Getränke kaufen sie in der Region ein. Was in Sachsen-Anhalt gar nicht so leicht sei, sagt Julia Mantwill und lacht. "Gibt ja nicht so viel hier in der Gegend." Die 32-Jährige, kurze Haare, schwarzer Pulli, ist Geschäftsführerin des Central. Sie will, dass sich etwas ändert am Hasselbachplatz und hat deshalb die IG Hassel gegründet – IG, das steht für Interessengemeinschaft. 16 Bars und Kneipen aus der Gegend sind beteiligt. Sie wollen hier wieder Leben auf den Platz bringen. Es sei doch hier schon wieder besser geworden, sagt Mantwill. Aber auch sie fragt: "Wie können wir unseren Laden hier halten?" Im nächsten Jahr wollten sie eigentlich 15-jähriges Jubiläum feiern.

Mantwill schimpft nicht auf die Flüchtlinge. Natürlich habe die Migration Herausforderungen mit sich gebracht, sagt sie. Heute leben knapp 6000 Flüchtlinge in der Stadt. Jeder dritte Ausländer ist ein Flüchtling. Daran haben sich einige in Magdeburg noch nicht gewöhnt. Die eigentlichen Probleme allerdings lägen woanders, sagt die Barchefin. Generell seien die Magdeburger kein Partyvolk. Eine richtige Kneipenkultur habe es hier nie gegeben. Dazu käme die Digitalisierung: Mantwill glaubt, die Menschen haben heute anderes zu tun, als in die Innenstadt zu gehen, sich in eine Bar zu setzen. "Der lokale Einzelhandel stirbt deshalb und auch Bars haben es schwerer." Das merke man immer stärker.  

Außerdem seien da die Nutzungskonflikte: Der Hasselbachplatz ist ein Wohnviertel, ein Geschäftsviertel, ein Ausgehviertel und er ist einer von Magdeburgs Verkehrsknotenpunkten. Das führe zu Unmut untereinander: zwischen Unternehmern, Anwohnern, Barbetreibern, Feiernden. "Aufregen", sagt sie, "ist halt einfacher, als sich zu engagieren." Ideen, diese Konflikte zu lösen, sind bislang rar. Schlaumeier würde sie die Kommunalpolitiker nie nennen, aber enttäuscht ist auch sie. Politische Visionen seien in Magdeburg Mangelware. Die Stadtverwaltung arbeite hier oft gegen einen.

Das soll sich ändern, wenn es nach Mantwill geht. Sie hat mit der Stadt ein Konzept erarbeitet: ein sogenannter Nachtbürgermeister sollte installiert werden. Jemand, der bei Konflikten vermittelt. Vorbilder: London, New York, Amsterdam. Metropolen. Und das möchte auch Magdeburg sein. Der Posten heißt jetzt "Hasselmanagement". Innerhalb von drei Jahren soll jemand Ideen sammeln, was man machen kann: Festivals? Verkehrsberuhigung? Mehr Bänke? Galerien in den leeren Ladengeschäften? Bald solle es losgehen. "Ich hätte Tausende Ideen, was man hier für Aktionen schieben kann", sagt Mantwill. "Viele glauben, es lohnt sich nicht, hier anzupacken, aber das stimmt nicht."

Julia Mantwill vom Café Central hat einen Plan für den Platz. Sie arbeitet an einem neuen Image. © Julius Betschka für ZEIT Online

Etwa 24 Stunden später. Samstagnacht, Primetime. Schon heute will Mantwill mit ihrem Plan loslegen, will beginnen, ein neues Image für den Hassel zu schaffen. "Hassel Fever" steht auf einem Plakat. Sie hat das kleine Festival zusammen mit anderen Barbetreibern organisiert, zum zweiten Mal. Bands und DJs spielen in den Kneipen. Gegen 22 Uhr ist das Central knallvoll. Eine Magdeburger Band spielt, Rock ’n’ Roll. Feststimmung. Großstadtgefühl. Eigentlich wollte sich sogar der Currykönig beteiligen, auf der anderen Seite des Platzes. Einen Wagen rausstellen, Würste verkaufen gegen den Kater. Doch es regnet, schlecht beworben ist die Veranstaltung auch, meckert Bernhardt. Er hat seine Leute deshalb lieber woanders eingesetzt.

Für Mantwill war die Veranstaltung trotzdem ein Erfolg, sagt sie am nächsten Tag. Sie hat sich über viele nette Nachrichten gefreut, nicht nur von Freunden. Ob sie und Bernhardt beim nächsten Mal zusammenfinden? "Wahrscheinlich müssen wir das." Die Sicherheit sei natürlich ein Thema, sagt sie. Aber nur mit Ordnungspolitik komme man eben nicht weit. Der Hasselbachplatz habe so viel Potenzial, da müsse sich doch etwas machen lassen. Obwohl, Potenzial, das sei eigentlich sowieso ein verbotenes Wort in Magdeburg. Das ewige Mantra der Stadt – wie so vieler Regionen im Osten der Republik. Die Barchefin sagt: "Der Hasselbachplatz ist gerade so kompliziert, wie gesellschaftliche Umbrüche im ganzen Land vielschichtig und kompliziert sind." Daher die enorme Unsicherheit der Menschen, der Zorn. "Da ist gerade so viel Destruktives, weißte?"

Wer am Montag die Lokalzeitung Volksstimme auf dem Frühstückstisch liegen hat, liest auf Seite eins: "Wieder Prügelattacke in Magdeburg." Es geht um den Überfall auf den Kumpel von Olaf Bernhardt ein paar Tage zuvor. Von der erfolgreichen Partynacht am Hasselbachplatz liest man kaum etwas. Ein paar Partyfotos sind weiter hinten im Lokalteil abgedruckt. Kein Wort zu den großen Plänen von Julia Mantwill. Und auch das Hasselmanagment wird in diesem Jahr nicht mehr kommen, erfährt man einige Tage später. Es ist an der Finanzierung gescheitert.