Der Angeklagte Heiko V. ist im Prozess um Hunderte Missbrauchsfälle an Kindern auf einem Campingplatz in Lügde zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er wurde unter anderem der Anstiftung zu schwerem sexuellen Kindesmissbrauch schuldig gesprochen. Außerdem muss sich der 49-Jährige aus Niedersachsen einer Therapie unterziehen.

"Die Taten waren schäbig und menschenverachtend", sagte die vorsitzende Richterin Anke Grudder bei der Verkündung des Urteils. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte sich für eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten ausgesprochen. Damit wäre eine Bewährungsstrafe nicht möglich gewesen.

Laut Gericht hatte der Mann aus Stade zwischen 2010 und 2011 in mindestens vier Fällen an Webcamübertragungen beim Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen teilgenommen. Zudem hat er dabei Anweisungen gegeben und sich vor den Augen des Kindes selbst befriedigt. Verurteilt wurde V. auch wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos und Videos. Die Ermittler hatten bei ihm rund 31.000 Fotos und 11.000 Videos gefunden. Allerdings hatte er den Campingplatz, wo die Kinder missbraucht wurden, nie betreten.

Ein Gutachter hatte ihn zum Prozessauftakt für voll schuldfähig erklärt. Der Experte hält V. nicht für pädophil. "Sein Sexualleben ist auffällig, aber nicht krankhaft", sagte Experte Bernd Roggenwallner. Allerdings sei eine Therapie wohl sinnvoll, weil die Gefahr eines Rückfalls nicht ausgeschlossen werden könne. V. hatte sich bei dem anwesenden Opfer nochmals entschuldigt. Das Landgericht wertete das Geständnis des bislang nicht vorbestraften V. bereits am ersten Prozesstag zu seinen Gunsten und trennte sein Verfahren am zweiten Tag des Hauptprozess gegen Andreas V. und Mario S. ab.

Der Prozess gegen die beiden Hauptverdächtigen wird am 1. August fortgesetzt. Angeklagt sind ein 56-jähriger Dauercamper aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim nahe der niedersächsischen Landesgrenze. Die beiden Männer sollen über viele Jahre hinweg Jungen und Mädchen teilweise schwer sexuell missbraucht haben. Einige der Gewalttaten filmten sie laut Staatsanwaltschaft. Die jüngsten Opfer sollen im Kindergartenalter gewesen sein. Ende Januar war der Missbrauchsfall bekannt geworden. In der Folgezeit wurden eine ganze Reihe von Ermittlungspannen und Behördenfehlern in dem Fall offenkundig. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde deutlich kritisiert. Die Polizei hat erst kürzlich Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen begonnen.