Carola Rackete, Kapitänin des Rettungsschiffs Sea-Watch 3, kann ihren Hausarrest in Italien verlassen. Das entschied eine Ermittlungsrichterin im sizilianischen Agrigent, wie die Nachrichtenagentur Ansa und die Zeitung La Repubblica berichteten. Es seien keine weiteren "freiheitsentziehenden Maßnahmen" angeordnet worden. Italiens Innenminister Matteo Salvini teilte mit, die Ausweisung Racketes sei vorbereitet. Sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar. 

Rackete stand unter Hausarrest, seit sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag festgenommen wurde. Die italienische Staatsanwaltschaft warf ihr vor, bei ihrer Einfahrt in den Hafen von Lampedusa ein Boot der Polizei touchiert zu haben. Sie habe Widerstand gegen ein Militärschiff und Vollstreckungsbeamte geleistet. Zudem wurde gegen Rackete wegen Beihilfe zur illegalen Migration ermittelt. 

Rackete hatte auf dem Rettungsschiff Sea-Watch 3 mehr als 40 Migranten an Bord, die sie ohne Erlaubnis zuerst in die italienischen Hoheitsgewässer steuerte. In der Nacht auf Samstag war sie trotz eines Verbots in den Hafen von Lampedusa eingefahren. Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Migranten über Bord in den Tod springen könnten. Vor ihrer Entscheidung auf den Hafen von Lampedusa zu steuern, erlaubte die italienische Regierung 13 Migranten aus gesundheitlichen Gründen das Schiff zu verlassen und an Land zu kommen.

Deutschland will Migranten aufnehmen

Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien Spenden für Hilfsorganisation Sea-Watch gesammelt – mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen. Damit sollen die Gerichtskosten für Rackete und eventuell ein neues Schiff finanziert werden, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Italien will keine privaten Rettungsschiffe mehr anlegen lassen, wenn es keine Sicherheit gibt, dass die Migranten auf andere EU-Staaten verteilt werden. Über die insgesamt 53 Migranten, die auf der Sea-Watch 3 waren, wird noch immer verhandelt. Sie befinden sich weiterhin auf Lampedusa. Deutschland will sich neben vier anderen Staaten an einer Lösung beteiligen und hat offenbar angeboten, etwa zwölf Menschen aufzunehmen.

In den Fall Rackete hatte sich selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet und Italien wegen der Festnahme kritisiert. Die Bundesregierung hatte sich generell gegen eine "Kriminalisierung von Seenotrettern" ausgesprochen, aber von den Helfern auch die Einhaltung geltenden Rechts gefordert.