Im Idealfall sollte der Lebensalltag überall in Deutschland eines Tages möglichst gleichwertig sein. Doch nach wie vor bestimmen regionale Unterschiede die Lebensverhältnisse. Bei Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten, aber auch in der Verkehrs- und Mobilfunkanbindung bestehen offenbar noch immer "erhebliche Disparitäten" zwischen den deutschen Regionen. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe aus dem Abschlussbericht der Regierungskommission Gleichwertige Lebensverhältnisse. Auch der Zugang zu Angeboten der Grundversorgung und Daseinsvorsorge ist dem Bericht zufolge noch sehr unterschiedlich.

Der Bericht soll am Mittwoch in Berlin vorgestellt werden. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU ) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) wollen dann Empfehlungen für eine Angleichung der Lebensverhältnisse in Deutschland vorlegen.

Der Kommission, die das Kabinett im Juli 2018 gegründet hatte, gehören Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände an. Ihre Aufgabe war es, Vorschläge zu erarbeiten, wie in Zukunft Ressourcen und Möglichkeiten für alle in Deutschland lebenden Menschen gerecht verteilt werden können. Es sollten Wege gesucht werden, strukturschwache Regionen und den ländlichen Raum zu stärken. 

Lebensbedingungen im Osten verbessern

Angesichts der Wahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen im Herbst hatten CDU und SPD zum Jahresbeginn darüber beraten, wie vor allem die Lebensbedingungen im Osten verbessert werden könnten. Die SPD hatte ein Zwölf-Punkte-Papier mit Maßnahmen beschlossen, zu denen eine Rentenangleichung vor 2025 gehörte. Die CDU schrieb ein 21-Punkte-Papier, demzufolge der Osten zu einer "Innovationsschmiede" werden solle. Auch diese Maßnahmen verfolgten das Ziel, gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland herzustellen.

Im April hatte eine Untersuchung Aufsehen erregt, die Deutschlands große Unterschiede beim Wohlstand aufgezeigt hatte. Die Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) hatte Deutschland als Land der Extreme dargestellt, basierte allerdings hauptsächlich auf einer einzigen Größe, dem Pro-Kopf-Einkommen. Punkte wie unterschiedliche Mieten in Stadt und Land oder Äquivalenzeinkommen wurden darin nicht berücksichtigt.