Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen erlebt in der Schule Ausgrenzung, Hänseleien oder körperliche Gewalt. Etwa ein Viertel fühlt sich in der Schule nicht sicher. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Für die Untersuchung wurden bundesweit 3.448 Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen acht und 14 Jahren befragt.

Besonders hoch sei der Anteil an Übergriffen in Grundschulen: Knapp 30 Prozent der befragten Jungen und Mädchen hätten angegeben, im vorausgegangenen Monat von anderen Schülern gehänselt, ausgegrenzt und zudem noch "absichtlich gehauen" worden zu sein. An Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschulen hat nach eigenen Angaben jeder Fünfte sämtliche dieser Übergriffe im Monat zuvor erlebt oder mitbekommen, in Gymnasien jeder Zehnte. "Die Politik ist hier gefordert, Kinder und Jugendliche besser zu schützen", sagte Jörg Dräger aus dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung. 

Kinder mit materiellen Sorgen erleben der Studie zufolge häufiger Gewalt. Trotz einer grundsätzlich guten Ausstattung, etwa mit einem Handy, machten sich 52 Prozent der Heranwachsenden Sorgen um die finanzielle Situation ihrer Familie. Diese Kinder werden gemäß den Ergebnissen der Befragung häufiger gehänselt, ausgegrenzt und absichtlich geschlagen als Gleichaltrige ohne finanzielle Sorgen. Sie fühlten sich in der Schule, aber auch zu Hause und in der Nachbarschaft oft nicht sicher. Außerdem hätten sie weniger Möglichkeiten, mit ihren Freunden Dinge zu unternehmen, die Geld kosteten.

Kinder kennen ihre Rechte nicht

Die Studie zeige auch, dass viele Kinder ihre Rechte nicht oder nicht richtig kennen. An Gymnasien hätten 47 Prozent der Jugendlichen kein oder nur unsicheres Wissen über ihre Rechte, an Grundschulen seien es sogar 63 Prozent der Kinder. Zudem fühle sich ein Teil der jungen Leute in der Schule nicht ernst genommen. Nur etwa jeder und jede 14-Jährige habe das Gefühl, mitbestimmen zu können. Unter den Achtjährigen liege dieser Anteil bei rund der Hälfte. 

Sabine Andresen, Mitautorin der Studie von der Universität Frankfurt am Main, sieht dringenden Handlungsbedarf für die Politik. Im 30. Jahr der UN-Kinderrechtskonvention sei es ernüchternd, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte auf körperliche Unversehrtheit sowie auf Beteiligung an Dingen, die sie betreffen, nicht kennen würden.