Jugendlichen ist der Zustand von Umwelt und Klima, das Bildungswesen und soziale Gerechtigkeit wichtiger als der künftige Job. Auf die Frage, welche der großen aktuellen Probleme sie am meisten beschäftigen, nannten 78 Prozent der Befragten in einer Studie den Umwelt- und Klimaschutz als "sehr wichtig" oder "eher wichtig" – also etwa drei Viertel. Mit 80 Prozent nannten noch etwas mehr den Zustand des Bildungswesens als Problem. Die meisten (81 Prozent) nennen das Problem der sozialen Gerechtigkeit "sehr wichtig" und "eher wichtig". Den wenigsten Jugendlichen ist das Problem der Arbeitslosigkeit sowie die wirtschaftliche und die Regionalentwicklung wichtig.

Die Studie hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung an der Technischen Universität Berlin erstellt. Auftraggeber sind das Bundesumweltministerium und das Bundesumweltamt. Die Forscher befragten mehr als 1.000 junge Menschen zwischen 14 und 22 Jahren. Die Ergebnisse sind Teil der Umweltbewusstseinsstudie, für die das Bundesamt im Zweijahresrhythmus alle Altersgruppen befragen lässt. In einigen zuletzt im Mai 2019 veröffentlichten Ergebnissen wird der Zustand des Bildungswesens als wichtigstes zu lösendes Problem genannt, der Klimaschutz folgt auf Rang drei nach sozialer Gerechtigkeit. 

Umweltministerin Svenja Schulze will die Studie ausführlich am Samstag vorstellen. Die vorab bekannt gegebenen Ergebnisse bestätigen aus ihrer Sicht, was seit Wochen zu erleben sei, sagte Schulze. "Umwelt- und Klimaschutz liegt jungen Menschen sehr am Herzen." Sie seien bereit, sich zu engagieren. "Das macht Mut für die großen Aufgaben, die vor uns liegen", sagte die SPD-Politikerin.

Junge Menschen sehen beim Umwelt- und Klimaschutz vor allem jeden und jede Einzelne in der Verantwortung. Dieser Ansicht waren 61 Prozent der 14- bis 22-Jährigen. Auf die Frage, wer einen wichtigen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland leisten könne, nannte zudem jeder zweite die Industrie, knapp die Hälfte (48 Prozent) die Bundesregierung. Städte, Medien, Schulen, Umweltverbände, Investoren und Wissenschaft landeten weiter hinten – drei Nennungen waren erlaubt.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellten Wirtschaft, Politik, aber auch den einzelnen Bürgern ein schlechtes Zeugnis beim Umwelt- und Klimaschutz aus: Nur 15 Prozent fanden, die Industrie tue "genug" oder "eher genug" in diesem Bereich, von der Bundesregierung denken das 22 Prozent. Dass "jede und jeder Einzelne" genug oder eher genug tue, finden 21 Prozent, also gut jeder Fünfte.

Von der Bewegung Fridays for Future, die freitags zu Demonstrationen aufruft, haben der Umfrage zufolge vier von fünf jungen Menschen in Deutschland schon mal gehört. Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, sich an den Demos während der Schulzeit zu beteiligen. Von denen, die sich bisher nicht beteiligt haben, kann sich fast jeder Zweite (46 Prozent) vorstellen, einmal mitzumachen.

Die Fridays for Future begannen vor einem Jahr mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die fürs Klima demonstrierte, statt in die Schule zu gehen. Inzwischen ist eine weltweite Bewegung daraus geworden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte über die Bewegung, sie habe die Politik dazu gebracht, "entschlossener an die Sache heranzugehen".