Die Blockade von Klimaaktivisten des Bündnisses Ende Gelände am Kohlekraftwerk Mannheim ist am Samstagabend friedlich beendet worden. Es habe beim Abzug der rund 100 Menschen keinerlei Zwischenfälle gegeben, teilte die Polizei mit. Auch die Abschlusskundgebung in der Innenstadt sei friedlich verlaufen.

Demonstranten von dem Aktionsbündnis Ende Gelände waren am Morgen auf das Areal des Kohlekraftwerks in Mannheim gelangt. Einige erreichten ein Kohleförderband. Damit wollen sie gegen den CO2-Ausstoß der Anlage protestieren, wie ein Sprecher des Bündnisses der Deutschen Presse-Agentur sagte. Es sei das Steinkohlekraftwerk mit dem höchsten Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland. Das Kraftwerk sei für etwa acht Prozent der CO2-Emissionen in Baden-Württemberg verantwortlich, hieß es in einer Mitteilung von Ende Gelände. 6,7 Millionen Tonnen des Treibhausgases habe es im vergangenen Jahr ausgestoßen. Den Zahlen des Bundesumweltministeriums zufolge beliefen sich im Jahr 2017 die Gesamtausstöße von CO2 in Deutschland auf 905 Millionen Tonnen.

Die Demonstranten blockierten das Hauptzufahrtstor und verteilten sich auf dem Gelände, wie ein Polizeisprecher sagte. Einige Aktivisten befänden sich mit Bannern und Schildern vor dem Eingang. Eine Gefährdung der Protestierenden sei nicht auszuschließen, weswegen sich zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort befinden. Über weitere Maßnahmen, wie etwa eine Räumung, sei bisher nicht entschieden worden. Insgesamt sei die Lage ruhig. Den Betrieb von Block 9 wie geplant zu stoppen, gelang den Aktivisten nicht. "Die Versorgung mit Strom und Fernwärme war zu jeder Zeit sichergestellt", sagte ein Sprecher des Großkraftwerkes.

Mit der Aktion wollen die Kohlegegner den Nachschub an Kohle für Block 9 unterbrechen. Für wie lange der Block noch Brennstoff hat, ist nicht bekannt. "Wir wollen so lange auf dem Förderband ausharren, bis der Block vom Netz muss", sagte der Sprecher von Ende Gelände. Block 9 wurde 2015 eröffnet, kostete 1,2 Milliarden Euro und ist der leistungsstärkste Block der Anlage.

Grund für die Aktion sei die Untätigkeit der Bundesregierung beim Kohleabbau. "Wenn die deutsche Bundesregierung nicht den sofortigen Kohleausstieg einleitet, verspielen wir unsere Chance, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu beschränken", teilte das Bündnis mit. In der Vergangenheit hatten Umweltschützer das Kraftwerk mehrfach kritisiert und es als "Klimakiller" bezeichnet. Bei einer ähnlichen Aktion Ende Juni hatten Aktivisten von Ende Gelände die Bahnstrecke zum Kohlekraftwerk Neurath in Nordrhein-Westfalen unterbrochen.