Beinahe zwei von drei Deutschen halten den Staat bei zentralen Aufgaben für überfordert. Das geht aus der aktuellen Bürgerbefragung (PDF) des Deutschen Beamtenbundes (DBB) hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt hat. Demnach sind 61 Prozent der Befragten dieser Meinung.

"Wir haben besorgniserregende Anzeichen für einen generellen Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit des Staates in Deutschland", sagte der DBB-Präsident Ulrich Silberbach zu den Ergebnissen der Studie. Laut der Beamtengewerkschaft sei dies "logische Konsequenz einer jahrzehntelangen Spar- und Rückzugspolitik".

Für überfordert halten die Befragten den Staat vor allem in den Bereichen Schule und Bildung, Migration, innere Sicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherung. Die Menschen erwarteten aber "wirksamen Schutz vor den negativen Auswirkungen von "Globalisierung, Digitalisierung und Entgrenzung", sagte DBB-Chef Ulrich Silberbach weiter.

Die zunehmende Überforderung des Staates führe zu Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Dienst und müsse daher "dringend" gestoppt werden, sagte Silberbach. Ihm zufolge gibt es "besorgniserregende Anzeichen für einen generellen Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit des Staats in Deutschland." Dessen "Performance" müsse daher schnell verbessert werden, unter anderem durch mehr Personal in den Behörden, aber auch eine bessere Bezahlung von Beamtinnen. Zudem müsse es laut Silberbach "deutliche Schritte hin zu Digitalisierung, Bürokratieabbau und Serviceorientierung" geben. "Das würde nicht nur die Bürger- sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen", sagte der DBB-Präsident.

Silberbach erklärt sich die Unzufriedenheit mit dem Staat nicht durch negative persönliche Erfahrungen, sondern mit einem "generellen politisch-gesellschaftlichen Unbehagen". Denn zwei Drittel der Befragten gaben an, mit dem öffentlichen Dienst positive Erfahrungen zu machen. "Je persönlicher und je näher dabei der Bezug, desto positiver das Urteil", sagte Silberbach. Gerade einzelne Berufsgruppen wie Polizistinnen, Feuerwehrleute und Krankenhausmitarbeiter hätten bei den Menschen viel Ansehen.

Fast jeder zweite Beamte wurde schon einmal angegriffen

Allerdings werden Mitglieder dieser Berufsgruppen auch häufig beschimpft, behindert oder gar angegriffen. So hat laut DBB rund jeder vierte Bundesbürger (26 Prozent) schon einmal Übergriffe auf Beschäftigte des öffentlichen Dienstes beobachtet. In rund drei viertel der Fälle (73 Prozent) waren Polizistinnen hierfür von betroffen, gefolgt von Rettungskräften und Notärzten, von denen 58 Prozent schon einmal angegriffen wurden. Auch Bus- und Bahnfahrerinnen mit 42 Prozent, Feuerwehrleute mit 40 Prozent sowie Lehrer mit 36 Prozent gehören zu den Berufsgruppen, die häufig attackiert werden.

Insgesamt haben schon 48 Prozent, also fast die Hälfte der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, schon einmal einen Übergriff erlebt. Am häufigsten seien dabei mit 89 Prozent Beleidigungen. Es folgen Anschreien mit 68 Prozent und körperliches Bedrängen mit 31 Prozent. 17 Prozent der Bediensteten wurden zudem schon einmal geschlagen. Mit 83 Prozent stimmt die große Mehrheit der Befragten zudem der Auffassung zu, dass die Gesellschaft verroht und der Umgang untereinander rücksichtsloser wird.

DBB-Chef Silberbach warf den Dienstherrn vor, die Probleme häufig zu verschleiern. Auch Ohrfeigen und Bedrohungen mit Messern seien keine Seltenheit. Nötig seien unter anderem ein Investitionsprogramm für mehr Sicherheit im öffentlichen Dienst, etwa durch mehr Personal, sowie ein Register zur Erfassung von Übergriffen.