Die Commission, die rund 180 Clubs und Bars vertritt, darunter auch die anfangs erwähnte Griessmuehle, nimmt an Treffen und Workshops mit Antidiskriminierungsstellen teil. "Awareness" sei ein wichtiges Thema, heißt es, also ein Bewusstsein für die Problemlage. Doch die Lobbyvertretung hat eine weniger dramatische Sicht auf die Sache. Diskriminierung durch Berliner Clubs? Das seien "Einzelfälle".

Und so fiel auch das erste Treffen zwischen der Berliner Landes-Antidiskriminierungsstelle und der Clubcommission Ende 2018 durchwachsen aus. In einem taz-Bericht heißt es, der Initiator der Commission sei "daueraufgebracht" gewesen und habe gegenüber den Teilnehmern erklärt, Selektion an der Clubtür habe im Normalfall mit "atmosphärischen Gründen" zu tun, sei aber nicht diskriminierend. Eine bei dem Treffen anwesende Person, die nicht namentlich genannt werden möchte, sagt: "Ich bin froh, dass die Clubcommission Ideen hat und zu Gesprächen bereit ist. Man hat bei der Veranstaltung aber auch gemerkt, dass es noch sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt."

Zwar glaubt auch Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission, dass südländische Männer in Berlin diskriminiert werden. Doch das passiere hauptsächlich vor "Diskotheken, nicht vor Clubs", sagt er. Die Berliner Interessenvertretung unterscheidet da genau.

Ob man das für richtig oder falsch hält, ist Auslegungssache

Unter Club versteht sie einen Ort, der sich in erster Linie durch sein Musikprogramm definiere und die Türpolitik sich daran orientiere, "ob die Besucher ähnliche Werte und Interessen teilen". Eine Diskothek hingegen sei ein Ort, in dem es nur um Unterhaltung und Gewinnmaximierung gehe. "Da werden die Top-Charts rauf und runter gespielt, es geht um den sozialen Status, ums Sehen und Gesehen werden", sagt Leichsenring. Kurz: Clubs würden bei ihrer Türpolitik selektieren aber nicht diskriminieren. Diskotheken hingegen schon.

"Ob man das für richtig oder falsch hält, ist Auslegungssache", sagt Leichsenring. "Man kann Discotürstehern sicherlich in vielen Fällen vorwerfen, türkisch- und arabischstämmige Männer zu diskriminieren. Wenn man sie aber fragt, sagen die wiederum, dass es auch vermehrt Probleme mit dieser Gruppe gibt. Ich finde aber auch, Türsteher sollten lernen, etwas genauer hinzusehen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden."

Ob in Großraumdiskotheken tatsächlich stärker diskriminiert wird als in den Berliner Clubs, lässt sich nicht durch Zahlen belegen. Und fragt man die Bundesstelle für Antidiskriminierung, kann sie nicht sonderlich viel mit dieser Unterscheidung anfangen. Dort heißt es: Es gäbe Beratungsfälle zu Diskriminierung sowohl in eher größeren als auch kleineren Clubs bis hin zu Bars.

Der Betreiber der Griessmuehle empfiehlt in seiner Stellungnahme noch, "gern ein anderes Mal wiederzukommen". Wem aber einmal das Gefühl gegeben wird, wegen seiner Herkunft nicht dazuzugehören, der fühlt sich so schnell nicht willkommen.