Unbekannte hatten die Grünen Politikerin Renate Künast auf Facebook unter anderem als "Stück Scheisse" und "Geisteskranke" beleidigt. Auch weitaus drastischere Beschimpfungen waren unter den Kommentaren. Künast war dagegen gerichtlich vorgegangen. Nun entschied das Landgericht Berlin, dass die Beleidigungen nicht strafbar seien. Künast will in Berufung gehen. Zahlreiche Userinnen und User von ZEIT ONLINE diskutierten das Urteil – wir haben fünf Stimmen ausgewählt.

Beleidigung ist ein viel zu schwaches Wort

"Ich halte das Urteil schlichtweg für einen Skandal. Und ich hoffe, dass es ziemlich schnell gekippt wird und darüber hinaus die urteilenden Richter mal etwas unter Augenschein genommen werden. Nichts, aber auch gar nichts, was einem halbwegs gesunden, zivilisierten Menschenverstand einsichtig wäre, rechtfertigt es. Hinter diesen Beleidigungen – übrigens wie ich finde ein viel zu schwaches Wort, das ist verbale Gewalt – steht offensichtlich ein unglaublich ignorantes, frauenverachtendes Selbstverständnis, dem es in erster Linie darum geht, einen verhassten, politischen Gegner einzuschüchtern und psychisch zu verletzen." Jedermanno  

Zweierlei Recht

"Aus dem Urteil: '... ist die Kammer jedoch der Ansicht, dass die Antragstellerin als Politikerin sich auch sehr weit überzogene Kritik gefallen lassen muss.' Das bedeutet: Bei jedem normalen Bürger wären die Bezeichnungen strafbare Beleidigungen gewesen, ein Politiker muss das hinnehmen. Zweierlei Recht. Wer sich also um die Allgemeinheit verdient macht und sich politisch engagiert, der bekommt Beleidigungen gratis hinzu. Und als weibliche Politikerin noch die ganze Packung Sexismus dazu."  Kein Einstein

Das KANN nicht sein

"Frau Künast teilt gerne vollmundig aus. Wer das tut, muss auch einstecken können. ABER: Dennoch befremdet mich das Urteil des Gerichts, ich empfinde solche Begriffe sehr wohl als Beleidigung. Wenn ein Gericht das durchgehen lässt, wird sowas irgendwann sogar noch sozial akzeptabel. Und das KANN nicht sein." Imgy 

Ein mutiges Urteil

"Da hat ein Gericht ein sehr mutiges Urteil gesprochen. Auch wenn es mich selbst etwas verwundet, was alles unter Meinungsfreiheit fallen kann, ist es doch ein Sieg für die freie Rede und gegen Zensur bzw. Sprachverbote. Frau Künast ist ein Polit-Profi, sie weiß, wie man sich medial und politisch in Szene setzt und ist im Umgang mit Menschen sehr geübt. Zudem ist sie Juristin. Warum lässt sie sich auf ein gerichtliches Verfahren ein? Sie hätte doch auch schlagfertig reagieren können (traue ich ihr durchaus zu)." KaRamamba  

Beleidigungen gehören heute wohl zum guten Ton

"Ich schätze, wenn man mit diesen Worten jetzt das Gericht und sein Urteil bewerten würde, wäre ganz schnell vorbei mit der freien Meinungsäußerung. Da versucht man jahrelang, den rechten Trollen den Unterscheid zwischen Beleidigung und freier Meinungsäußerung zu erklären. Scheinbar lag man aber wohl falsch. Beleidigungen gehören heute wohl zum guten Ton. Wie widerlich hat sich unsere Gesellschaft doch verwandelt."Bobby Tables