Was waren Ihre ersten Gedanken am Wahlabend? Das wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern in Sachsen und Brandenburg wissen. Die Reaktionen zeigen Erleichterung, aber auch Angst. Aus den Zuschriften und Kommentaren haben wir sechs Stimmen ausgewählt. Auffällig war, dass sich kaum Wählerinnen und Wähler der AfD – die in beiden Ländern zweitstärkste Kraft wurde – an uns gewandt haben. Lesen Sie auf der ersten Seite Stimmen aus Sachsen, auf der zweiten Stimmen aus Brandenburg.

Ein vielfältiges und inklusives Sachsen

"Der exponentielle Anstieg der AfD-Stimmen ist für mich wie ein Schlag in die Magengrube. Ich befürchte, dass viele soziale Organisationen in den nächsten Jahren noch stärker zu kämpfen haben werden als ohnehin schon.

Nichtsdestotrotz bin ich erleichtert über das Wahlergebnis. Obwohl ich der CDU skeptisch gegenüberstehe, bin ich froh, dass eine Partei gewonnen hat, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die im Grundgesetz verankerten Werte respektiert. 

Von den Vertreterinnen der einzelnen Parteien wünsche ich mir, dass sie die Sorgen und Ängste der Menschen, die sich abgehängt fühlen, ernst nehmen, zugleich aber für ein vielfältiges und inklusives Sachsen einstehen, in dem die Menschenrechte respektiert werden sowie die Natur geschützt und soziales Engagement unterstützt wird." Anonym


Wir machen uns Sorgen

"Meine Frau, die ausländisch aussieht, und ich würden uns gerne ein Haus bauen. In Dresden selbst ist das schwierig. Also suchen wir in der Umgebung nach geeigneten Grundstücken: nahe Meißen zum Beispiel, oder Moritzburg, Radeburg, Laußnitz im Norden. In all diesen Gemeinden wurde die AfD bei der Landtagswahl stärkste Partei.

Wir machen uns jetzt Sorgen. Wenn wir viel Geld in die Hand nehmen und ein Haus bauen, könnte das Leben dort dann uns und unseren Kindern zur Hölle werden. Im schlimmsten Fall müssten wir unser Haus verkaufen. Ich traue AfD-Eltern und ihren Kindern durchaus zu, uns zu mobben. In unserer Grundschule und Kita mitten in Dresden geht es unseren Kindern aber gut." User/in Hanayagi

Die Linke als Gegenpol

"Mir geht es mit dem Wahlergebnis schlecht. Viele Menschen aus meinem Umfeld haben eine gute Arbeit, es mangelt ihnen an wenigem. Trotzdem haben sie die AfD gewählt. Ich konnte sie nicht dazu bewegen, das Wahlprogramm der AfD zu lesen und ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. 

Der Ton wird spürbar rauer, das Denken auch. Ich habe Angst um die Zukunft meiner drei Kinder. Ich selbst habe die Linke gewählt, als Gegenpol zu den rassistischen Tendenzen der AfD – und leider auch der sächsischen CDU. Die Hoffnung, dass es in Sachsen mit Bildung, Klimaschutz, weitsichtiger Verkehrsplanung und engagiertem Eintreten gegen Rechts vorangeht, habe ich nach dieser Wahl nicht mehr." Rike Müller

Es war richtig, hierzubleiben

"Ich wohne im größten Stadtteil von Chemnitz. Hier haben die Grünen mehr Stimmen bekommen als die AfD. Das macht mich glücklich. Es war richtig, trotz der Endlosschleife des "Da sind alle Nazis"-Gerufes hierzubleiben. Viele von uns Jüngeren sind politisiert und haben erstmals in ihrem Leben mit Eltern und Großeltern über Politik gestritten. Ich habe früher liberal gewählt und zur Landtagswahl erstmals die Grünen unterstützt. Mir ist ein positives Zukunftsbild, Gesellschaftspolitik und Klimaschutz wichtiger als Wirtschaftspolitik. Ich hoffe, dass Schwarz-Grün die Gemeinsamkeiten erkennt und eine konstruktive Regierung bilden kann." User/in Leo