Das deutsche Bildungssystem ist im internationalen Vergleich in den Bereichen frühkindliche Bildung und höhere Abschlüsse gut aufgestellt. Nachholbedarf gibt es dagegen in der Grundschulfinanzierung und bei der Geschlechtergerechtigkeit, wie ein jährlicher Ländervergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt. In dem Bericht mit dem Titel Bildung auf einen Blick werden die Bildungssysteme und -ausgaben der 36 OECD-Länder und zehn weiterer Länder miteinander verglichen.

Dabei wurde in diesem Jahr der Schwerpunkt auf den sogenannten Tertiärbereich gelegt, der Fachschulen, Berufsakademien und Hochschulen wie Universitäten oder Fachhochschulen umfasst. Die Studienautoren stellen fest, dass sich der Bereich höhere Abschlüsse in Deutschland positiv entwickelt hat: 2018 hatte demnach jeder Dritte junge Erwachsene in Deutschland einen Hochschul- oder Fachschulabschluss, zehn Jahre zuvor war es nur jeder Vierte.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) verwies darauf, dass Deutschland in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) vorne liege. Gut jeder dritte Absolvent mit einem höheren Abschluss hat dem OECD-Bericht zufolge ein MINT-Studium absolviert, im OECD-Schnitt ist es nur jeder vierte. Deutschland investiert 43 Prozent der Finanzmittel in Forschung und Entwicklung, was nach Schweden der zweitgrößte Anteil aller Länder ist.

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland nähmen zudem am lebensbegleitenden Lernen teil, sagte Karliczek. Auffallend im internationalen Vergleich seien die hohen Beteiligungsquoten über alle Altersgruppen.

Immer noch Gehaltsunterschiede

Der Bericht zeigt aber auch Probleme: Zwar erreichen ungefähr gleich viele Männer und Frauen inzwischen höhere Abschlüsse, aber beim Gehalt gibt es weiter große Unterschiede. "Das Verdienstgefälle ist in Deutschland auf höheren Bildungsstufen größer als im Durchschnitt der OECD-Länder, insbesondere unter den 35- bis 44-Jährigen", heißt es in dem Bericht. 

Zudem kritisiert die OECD die Finanzierung der Grundschulen in Deutschland: Insbesondere dort, wo am ehesten Bildungsnachteile ausgeglichen werden könnten, seien die Investitionen in Deutschland vergleichsweise niedrig. Dafür liegt Deutschland bei den Investitionen in frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung bei den Drei- bis Fünfjährigen über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Die Quote stieg der OECD zufolge zwischen 2005 und 2017 von 88 Prozent auf 95 Prozent. Die Gesamtausgaben für die Angebote belaufen sich auf 0,9 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist etwas mehr als der Durchschnitt aller OECD-Mitglieder, der bei 0,8 Prozent liegt.

Insgesamt investiert Deutschland 4,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Bildung und liegt damit leicht unter dem Schnitt der OECD-Länder von fünf Prozent.