In Kalifornien breiten sich nördlich und östlich von Los Angeles zwei Waldbrände aus. Die Behörden forderten am Freitag 100.000 Menschen auf, vorsorglich ihre Häuser zu verlassen, nachdem sich eines der Feuer explosionsartig ausgebreitet hatte. Dutzende Wohnhäuser wurden bereits zerstört. Insgesamt sind rund 1.200 Feuerwehrleute im Einsatz.

Das Feuer im Norden der Stadt hatte sich – angefacht durch die berühmten Santa-Ana-Winde und die sehr trockene Luft – in der Nacht zum Freitag auf mehr als die doppelte Größe ausgebreitet. Das Saddleridge-Feuer nahe der Ortschaft Sylmar konnte bis zum späten Freitagabend zum Teil eingedämmt werden. 31 Gebäude seien beschädigt worden oder völlig abgebrannt, gab die Feuerwehr bekannt. Ein Anwohner sei in dem Brandgebiet an einem Herzinfarkt gestorben, als er verzweifelt versuchte, sein Haus zu retten. Eine 89-jährige Frau im Bezirk Riverside County konnte sich nicht mehr rechtzeitig vor den Flammen.

Der Polizeichef von Los Angeles sagte weiterhin, dass ungefähr 23.000 Häuser und 100.000 Menschen von Evakuierungsmaßnahmen betroffen seien. Mehrere Autobahnen und Straßen wurden gesperrt. 

Ein weiterer Brand verwüstete nach Behördenangaben eine Siedlung östlich von Los Angeles. Das Feuer sei vom Fahrer eines Müllwagens ausgelöst worden, der seine in Brand geratene Ladung am Straßenrand abgeladen habe, sagte eine Feuerwehrsprecherin der Los Angeles Times. Mehr als 70 Gebäude der Siedlung wurden zerstört, mehr als 200 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen. Die Behörden ordneten die vorsorgliche Räumung von rund 1.900 Häusern in der Gegend an.

In Kalifornien galt auch am Samstag weiterhin die höchste Waldbrand-Alarmstufe. Die US-Wetterbehörde warnte vor hoher Feuergefahr in den kommenden Tagen. Grund dafür seien die anhaltend sommerlichen Temperaturen, die Trockenheit und verdorrte Vegetation, die sich leicht entzünden könne.

Hochspannungsleitungen abgeschaltet

Unterdessen waren Hunderttausende Menschen ohne Strom, weil der örtliche Energieversorger zur vorsorglichen Überprüfung von Hochspannungsleitungen den Strom abgeschaltet hatte. Damit sollen Brandkatastrophen wie im vergangenen Jahr verhindert werden, als beschädigte Leitungen tödliche Feuerwalzen auslösten, in denen rund 90 Menschen ums Leben kamen.

Der Gouverneur von Kalifornien hatte die Maßnahmen des Energieversorgers kritisiert. Dass rund 540.000 Menschen ohne Strom seien, sei "inakzeptabel", sagte Gavin Newsom. So etwas sollte "kein Staat im 21. Jahrhundert erleben" müssen. Newsom prangerte Jahrzehnte der "Nachlässigkeit" und "Misswirtschaft" des Stromanbieters Pacific Gas & Electric (PG&E) an. Wegen der Stromabschaltungen blieben zahlreiche Schulen und Universitäten geschlossen.

PG&E schloss am Donnerstag die Inspektionen an einigen Stromleitungen ab und stellte bis zum späten Nachmittag die Stromversorgung für mehr als 228.000 Menschen wieder her. In einzelnen Gebieten kann es nach Angaben des Unternehmens allerdings noch mehrere Tage dauern, bis die betroffenen Kunden wieder ans Netz genommen werden.