Waldbrände sind um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich in Australien. Das Ausmaß der derzeitigen Feuer bezeichnen die Behörden jedoch als beispiellos. Auf einem 1.000 Kilometer langen Streifen entlang der Ostküste Australiens lodern nach wie vor mehr als 100 Buschbrände. Mindestens zwei Menschen sind in den Feuern bisher ums Leben gekommen. Sieben weitere Menschen gelten als vermisst, sagte Gladys Berejiklian, Regierungschefin des Bundesstaates New South Wales. Mehr als 30 Menschen wurden bisher verletzt, die meisten von ihnen sind Feuerwehrleute. Nach Angaben der Behörden wurden allein am Freitag 100 Häuser durch die Flammen zerstört.

Die Zahl der Toten könne im Laufe des Tages noch steigen, sagte Berejiklian. Das Schlimmste sei keineswegs überstanden. 18 der Waldbrände im bevölkerungsreichsten Bundesstaat New South Wales waren am Samstag noch außer Kontrolle. Australiens Premierminister Scott Morrison nannte die ungewöhnlich hohe Zahl der Buschfeuer "unglaublich beunruhigend". Er rief die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen und den Anweisungen der Rettungsdienste Folge zu leisten. Der Wetterbericht verspricht keine Erleichterung: Es soll trocken und sehr windig bleiben.

Feuerwehren können nicht alle Hilfesuchenden erreichen

In einigen Gebieten waren Menschen von Fluchtrouten abgeschnitten, zahlreiche Gemeinden mussten evakuiert werden, diverse Highways sind gesperrt. "Viele Menschen haben um Hilfe gerufen, aber wegen der Größe und Schnelligkeit der Feuer konnten wir nicht zu jedem vordringen, nicht einmal im Hubschrauber", sagte ein Sprecher der Feuerwehr, die mit mehr als 1.000 Feuerwehrleuten im Einsatz ist. Radiosender unterbrachen ihre Programme und sendeten Anweisungen, wie Menschen, die in Häusern und Fahrzeugen festsitzen, sich vor Flammen zu schützen versuchen können. Eines der Todesopfer war nach Angaben der Rettungsdienste in einem Auto gefunden worden.

Den Buschfeuern in Australiens Osten ging eine ungewöhnlich lange Dürre voraus. Starker Wind, geringe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen verschärfen die Lage. Die sogenannte Waldbrand-Saison, während der Restriktionen für den Umgang mit offenen Flammen gelten, hatte in diesem Jahr bereits zwei Monate früher als sonst begonnen. Für den Sommer, der in Australien im Dezember beginnt, bereitet sich das Land auf Temperaturen in Rekordhöhe vor.