Nach Recherchen der Welt am Sonntag war der IT-Unternehmer und Multimillionär Holger Friedrich, der jüngst mit seiner Ehefrau Silke den Berliner Verlag (Berliner Zeitung) erworben hat, als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi tätig. Er arbeitete demzufolge unter dem Decknamen "Peter Bernstein". Aus den Akten ergebe sich, dass Friedrich, Jahrgang 1966, von Dezember 1987 bis Februar 1989 mit Stasi-Offizieren zu konspirativen Treffen zusammengekommen sei.

Holger Friedrich hat die Recherchen inzwischen bestätigt. In einem Beitrag in der Berliner Zeitung, der am Freitag veröffentlicht wurde, nimmt er Stellung, indem er seine Antworten auf die Fragen der Welt dokumentiert. Demnach entschied er sich für die Zusammenarbeit mit der Stasi, nachdem wegen des Verdachts der Republikflucht von der Militärabteilung der Staatssicherheit verhaftet worden war. Um einer mehrjährigen Haftstrafe im Militärgefängnis Schwedt zu entgehen, habe er seine Bereitschaft erklär, "Wiedergutmachung" zu leisten, also Informationen über Personen zu liefern. Der jüngere Bruder des Soldaten trug sich laut Welt mit dem Gedanken, einen Ausreiseantrag aus der DDR nach Westdeutschland zu stellen. Menschen, die das in der DDR taten, verloren meist Ämter und Posten und durften nach teils jahrelanger Wartezeit ausreisen, eine Rückkehr oder Besuchsreisen waren damit ausgeschlossen.  

Einem Soldaten, dem offenbar Fahnenflucht nachgewiesen werden sollte und auf den Friedrich als IM angesetzt war, habe er sich offenbart, schreibt Friedrich. Beide stimmten demnach miteinander ab, welche Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weitergeleitet würden.

Laut Welt am Sonntag wurden "zwölf größtenteils handschriftliche Spitzelberichte" überliefert. "In den Berichten werden mehr als 20 Personen in identifizierbarer Weise genannt", berichtet die Zeitung. Laut Unterlagen hätten die Berichte zu "Maßnahmen" gegen Betroffene geführt. 

Inzwischen hat auch der Spiegel Vorwürfe gegen den Unternehmer und Verleger erhoben. Demnach habe die Berliner Zeitung einen sehr positiven Bericht über ein Bio-Tech-Unternehmen veröffentlicht. Allerdings blib dabei unerwähnt , dass Holger Friedrich an der Firma beteiligt sei.