Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Insgesamt wurden mehr als 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner. Das zeigt eine Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zum Thema Partnerschaftsgewalt zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, die Zahlen seien schockierend. "Sie zeigen, dass weiterhin viel zu viele Frauen unter Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner leiden. Mehr als ein Mal pro Stunde wurde 2018 eine Frau in der Partnerschaft gefährlich körperverletzt."

Den BKA-Daten zufolge ist die Zahl der Tötungsfälle im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 zwar um 25 gesunken. Insgesamt wurden aber mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Die Zahl stieg von 113.965 auf 114.393. Bei Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung in Partnerschaften seien die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich. Bei Bedrohung, Stalking, Nötigung in der Partnerschaft seien es 88,5 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung seien es 79,9 Prozent und bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen seien 77 Prozent der Opfer Frauen. Etwa 26.000 Männer wurden in dem Zeitraum von ihren Partnern, Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen.

Häusliche Gewalt - Gewalt gegen Frauen durch Partner nimmt zu In Deutschland wurden 2018 mehr als 114.000 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Familienministerin Franziska Giffey geht von einer hohen Dunkelziffer aus. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch ein geändertes Anzeigeverhalten der Betroffenen könnte zu der Zunahme geführt haben. Weiterhin wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Laut früheren Angaben Giffeys sucht nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe. Betroffen seien tatsächlich Hunderttausende. Das Bundesfamilienministerium weist auf sogenannte Dunkelfeldstudien hin, wonach jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebe.

Frankreich zieht Konsequenzen

Die französische Regierung will Frauen mit Gesetzesverschärfungen besser vor Gewalt schützen. "Gegen Partnerschaftsgewalt braucht unsere Gesellschaft einen Elektroschock", sagte Frankreichs Premier Édouard Philippe. Zukünftig soll unter bestimmten Umständen strafbar sein, "psychologischen Druck" auf Frauen auszuüben, denn dieser gehe "körperlicher Gewalt oft voraus", sagte Philippe. Es werde auch eindeutiger definiert, was Gewalt ist – psychische Gewalt werde dabei besser berücksichtigt.

Außerdem soll die ärztliche Schweigepflicht gelockert werden, damit Ärzte in Notfällen ihre Patientinnen besser schützen können. Bisher schlägt bei häuslicher Gewalt in nur fünf Prozent der Fälle das Gesundheitspersonal Alarm. Die Regierung will es den Opfern zudem ermöglichen, direkt im Krankenhaus Anzeige zu erstatten, wie sie zuvor bereits angekündigt hatte. Die Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, kündigte zudem die Einrichtung von speziellen "Männerhäusern" an, in die Gewalttäter aufgenommen werden sollen, damit nicht die Frauen die gemeinsame Wohnung verlassen müssen.

Schiappa hatte im Sommer einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Zahlreiche Arbeitsgruppen sollten Maßnahmen erarbeiten, um Frauen besser zu schützen. In Frankreich gibt es über das Thema seit Monaten eine Debatte, Aktivistinnen hatten der Regierung im Sommer vorgeworfen, nicht ausreichend zu handeln. Am Wochenende demonstrierten in Paris Tausende gegen Gewalt gegen Frauen.

Ministerin will bundesweite Initiative starten

Bund, Länder und Kommunen wollen ebenfalls Hilfsangebote ausbauen. Unter der Überschrift Stärker als Gewalt haben sich dafür Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. Es gehe vor allem darum, diese Angebote bekannter zu machen und Gewaltopfer zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Dafür wird unter anderem die Website stärker-als-gewalt.de online geschaltet.

Allein der Bund plant demnach in den kommenden Jahren 120 Millionen Euro für den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen in Deutschland ein. In Deutschland gibt es etwa 350 Frauenhäuser. Es gebe weiße Flecken, gerade in den ländlichen Gebieten. Diese Lücken müssten geschlossen werden, hatte Giffey bei der Vorlage des Programms gesagt.