Die Frau am Telefon lacht herzlich. "Da steht, dass wir Plätze frei haben?", fragt die Leiterin einer Kita in Berlin-Schöneberg. "Das überrascht mich sehr." Sie hat noch gar nicht reingeschaut in den neuen Kita-Navigator, den die Berliner Bildungsverwaltung am Mittwochfrüh freigeschaltet hat. Das Angebot kita-navigator.berlin.de soll Eltern – online und per App – die Suche nach einem Kitaplatz erleichtern.

Eine Stichprobe allerdings zeigt: Die meisten Kitas haben ein grünes Häkchen, das heißt: Plätze frei im November 2019. Die Realität sieht allerdings völlig anders aus.

So erklärt sich das Lachen. "Wir haben nicht die volle Auslastung, das stimmt", sagt die Leiterin, die namentlich lieber nicht genannt werden möchte. Ihre Kita hat eine Betriebserlaubnis für gut 150 Kinder, derzeit könne sie allerdings nur 120 Kinder betreuen – weil sie partout kein Personal findet. "Vielleicht werden die Plätze deswegen frei angezeigt", sagt sie.

Bei einem Rundruf in mehreren Kitas in der Umgebung zeigt sich ein ähnliches Bild: Keine der grün angezeigten Kitas im kinderreichen Akazienkiez hat derzeit tatsächlich einen Platz frei, die meisten nicht einmal im nächsten Jahr. "Wir sind froh, wenn wir überhaupt noch die vielen Geschwisterkinder unterkriegen können", heißt es mehrfach.

Wie sollen die Kitas den zusätzlichen Verwaltungsaufwand schaffen?

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lobte am Mittwoch die "großen Vorteile für Eltern und Kita-Leitungen" und sprach von einem "zeitgemäßen Onlineangebot zur Kita-Suche", das "schnell einen aktuellen Überblick über das vielfältige Berliner Kita-Angebot und über freie Plätze" ermögliche.

Doch wie kommt die Diskrepanz zustande? Iris Brennberger, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, sagt: Die Kita-Betreiber beziehungsweise die Träger seien selbst verantwortlich dafür, die Daten in das System einzutragen und zu aktualisieren. Sie melden freie Plätze oder den Abschluss neuer Verträge über die "Integrierte Software Berliner Jugendhilfe" (ISBJ). "Das ist das System, mit dem alle Kitas und das Land Berlin ohnehin ihre Geschäftsbeziehungen regeln", sagte Brennberger. Die Senatsverwaltung hat demzufolge keinerlei Einfluss auf die im Navigator angezeigten Daten. "Wenn der Navigator falsche Meldungen macht, dann weil eine Kita ihrer Pflicht zur aktuellen Meldung nicht nachgekommen ist", sagt Brennberger.

"Wahrscheinlich wird jetzt heftig aktualisiert"

Wahrscheinlich werde jetzt, wo das Portal freigeschaltet ist, heftig aktualisiert. Dazu seien die Kitas verpflichtet. "Die Senatsverwaltung wird sehr genau hinsehen, ob Kitas ihre Daten aktuell halten. Der Navigator wurde entwickelt, um endlich das Wartelistenchaos beenden."

Dabei helfen soll unter anderem die Funktion des Vormerkens: Die Kita-Leitung kann der Senatsverwaltung zufolge fest zugesagte Plätze auch in das System eintragen, selbst wenn noch kein Vertrag zwischen Kita und Eltern geschlossen wurde. Dies soll in Zukunft verhindern, dass sich Eltern – wie derzeit üblich – auf unzählige Wartelisten schreiben lassen. "Die Entscheidung, ob ein Kind in einer Kita aufgenommen wird, trifft weiterhin die Kita-Leitung", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) beim Start des Angebots am Mittwoch. "Er ist jedoch keine zentrale Platzvergabe."