Hochwasser - Das Wasser steigt Der Pegelhöchststand im überfluteten Venedig hat 1,60 Meter erreicht. Entspannung ist nicht in Sicht, für das Wochenende sind neue Wassermassen angekündigt. © Foto: FILIPPO MONTEFORTE/AFP/Getty Images

Üblicherweise kann man den unmittelbar an der Lagune von Venedig gelegenen Markusplatz der Stadt trockenen Fußes begehen, dieser Tage aber ging es nur über Hochwasserstege oder in Gummistiefeln. Selbst das ist nun vorbei: Der Bürgermeister der Stadt hat wegen des enormen Hochwassers den weltberühmten Platz vor dem Markusdom gesperrt. "Ich bin gezwungen, den Platz zu schließen, um gesundheitliche Risiken für die Bürger zu vermeiden", sagte Luigi Brugnaro. Auch die angrenzenden Gebäude sind überflutet, viele Cafés, Museen und andere öffentliche Einrichtungen sind geschlossen.

In der Nacht zu Mittwoch war das Wasser in Venedig auf den höchsten Stand seit mehr als 50 Jahren gestiegen. Es erreichte einen Pegel von 1,87 Metern, sodass 80 Prozent der historischen Stadt unter Wasser standen – neben dem Markusplatz auch die Krypta des Markusdoms. Nur einmal seit Beginn der Aufzeichnungen hatte es ein größeres Hochwasser gegeben: 1966 lag der Pegel bei 1,94 Metern.

Nach einem Rückgang am Donnerstag stieg der Pegel am Freitag wieder und erreichte bis zum Mittag 1,54 Meter. In den Cafés der Stadt tranken Menschen ihren Espresso, während sie im Wasser standen. Bilder aus Venedig zeigen Touristen, die sich gummistiefelartige Schuhe aus Folie über die Füße gezogen haben, um die Stadt zu erkunden.

Bürgermeister Brugnaro schätzt die allein am Mittwoch entstandenen Schäden auf eine Milliarde Euro. Er richtete ein Sonderkonto ein und warb um Spenden. "Venedig, ein einmaliger Ort, ist das Erbe aller. Dank Ihrer Hilfe wird Venedig in neuem Glanz erstrahlen", sagte er.

Die italienische Regierung hatte am Donnerstag wegen der Überschwemmungen den Notstand in Venedig verhängt. Das Hochwasser sei "ein Stich in das Herz unseres Landes", sagte Ministerpräsident Guiseppe Conte. Seine Regierung sagte 20 Millionen Euro "für die dringendsten Maßnahmen" in der Lagunenstadt zu. Privatleute sollen mit jeweils bis zu 5.000 Euro für die Flutschäden entschädigt werden, Geschäftsleute mit bis zu 20.000 Euro.

Erderwärmung als Ursache?

Übernächste Woche soll eine Sonderkommission über Probleme Venedigs beraten, wie Conte ankündigte. Dabei soll es auch um ein geplantes Anlegeverbot für große Kreuzfahrtschiffe und ein umstrittenes Hochwasserschutzsystem gehen, das die Stadt mit schwimmenden Barrieren schützen soll. Es ist schon seit 2003 im Bau.

Durch das Hochwasser gerät auch der Kampf gegen den Klimawandel stärker in den Blick. Sowohl Bürgermeister Brugnaro als auch Italiens Umweltminister Sergio Costa sehen die Erderwärmung als eine Ursache für die massive Überschwemmung.

Im Zentrum Venedigs leben etwa 50.000 Menschen. Mit ihren malerischen Kanälen und historischen Gebäuden lockt die Stadt jährlich über 36 Millionen Touristen an. Etwa 90 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland.