Deutsche Auswanderer sind im Durchschnitt jünger und deutlich besser qualifiziert als die Gesamtbevölkerung. Das geht aus der Studie German Emigration and Remigration Panel des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hervor. Demnach sind 76 Prozent von ihnen Akademikerinnen und Akademiker. "Auswanderung ist eine Domäne der Hochqualifizierten", heißt es in der ersten repräsentativen Studie über deutsche Aus- und Rückwanderer. Berufliche Motive seien dabei entscheidend: "Häufig geht es um den nächsten Karriereschritt", sagte der Politologe Andreas Ette vom Bundesinstitut.

Für die Studie hat das Bundesinstitut in Zusammenarbeit mit Soziologen der Universität Duisburg-Essen 10.000 in Deutschland geborene Menschen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren befragt, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Die meisten waren zwischen 20 und 40 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt mit 36,6 Jahren knapp zehn Jahre unter dem der Gesamtbevölkerung. Insgesamt wandern jährlich etwa 180.000 Deutsche ins Ausland ab, 130.000 kommen pro Jahr zurück.

1.200 Euro monatlicher Lohnzuwachs nach Auswanderung

Aus finanzieller Sicht hat sich die Auswanderung für die meisten Befragten gelohnt: "Über 60 Prozent der Befragten gaben an, ihr Nettohaushaltseinkommen im Ausland sei im Vergleich zu ihrem Gehalt ein Jahr zuvor 'besser' oder 'viel besser'", sagte Ette. So verdienen ausgewanderte Vollzeitbeschäftigte innerhalb eines Jahres kaufkraftbereinigt rund 1.200 Euro im Monat mehr als in Deutschland. Auch hierzulande sind in diesem Zeitraum die Nettolöhne gestiegen, jedoch nur um durchschnittlich 87 Euro.  

Der Umzug ins Ausland zahlt sich der Studie zufolge insbesondere für Geringqualifizierte aus. Ihr Verdienst stieg im Vergleich zu Akademikern prozentual überdurchschnittlich an. Weil aktuell aber vor allem Akademiker den Umzug ins Ausland wagen, fordern die Forscher in der Studie, öffentliche Förderprogramme gezielt auf Menschen ohne akademischen Abschluss zu zuschneiden. Nach jetzigem Stand seien sie in diesem Bereich benachteiligt: "Internationale Mobilität führt gegenwärtig somit eher zu einer Vergrößerung bestehender gesellschaftlicher Ungleichheiten", heißt es in der Studie.

Trotz der überproportional hohen Zahl an Akademikern bei den Auswanderern ist den Forschern zufolge dennoch nicht mit einem Braindrain, also einem dauerhaften Verlust von Fachkräften, zu rechnen. Deutschland verliere zwar temporär Fachkräfte. Die meisten von ihnen blieben jedoch für nur einige Jahre im Ausland. "Vielmehr deuten die Befunde auf eine brain circulation hin und damit auf eine weitgehend ausgeglichene Qualifikationsstruktur der Aus- und Rückwanderer", sagte Ette. Weiterhin führe die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus anderen Ländern insgesamt zu einem positiven Wanderungssaldo. "Es gehen die Besten, es kommen aber auch die Besten."

Ausgewanderte Frauen steigen häufiger aus dem Erwerbsleben aus

Das nach dem eigenen Beruf (58 Prozent) zweithäufigste Motiv für die Auswanderung ist der Befragung zufolge der Lebensstil im Zielland (46 Prozent). Für viele war auch der Beruf der Partnerin oder des Partners entscheidend (37 Prozent). Die wichtigsten Zielländer für deutsche Auswanderer sind die Schweiz (200.000), noch vor den USA (127.000), Österreich (108.000) und Großbritannien (82.000). 

Allerdings kann die Auswanderung der Studie zufolge auch Nachteile bedeuten. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre sozialen Kontakte im Ausland leicht verschlechtert hätten. Auch hören Frauen im Ausland häufiger auf, zu arbeiten: Zwar wanderten ebenso viele Frauen wie Männer aus, allerdings dominiere bei den Auswanderern ein "eher klassisches Familienmodell", bei dem die Karriere von Männern eine stärkere Rolle spiele. So führt die Migration bei elf Prozent der Männer zu einem vorübergehenden Ausstieg aus dem Erwerbsleben, bei den Frauen sind es 23 Prozent. Bei dem Lohnzuwachs macht sich das jedoch nicht bemerkbar: Wenn Frauen auch im Ausland erwerbstätig bleiben, fällt ihr Verdienst um ebenso viel höher aus wie der von Männern.