Frauen und Männer müssen in saudi-arabischen Restaurants künftig nicht mehr getrennt voneinander sitzen. Auch dürfen sie denselben Eingang benutzen – zuvor mussten Restaurants separate Ein- und Ausgänge für Männer und Frauen haben. Die Regierung des Königreiches gab die Abschaffung der seit Jahrzehnten geltenden Beschränkung unauffällig bekannt, versteckt in einer langen Mitteilung des Ministeriums für kommunale und ländliche Angelegenheiten.

Zuvor durften sich Frauen in der Öffentlichkeit nur dann mit Männern zeigen, wenn sie miteinander verwandt sind. Restaurants und Cafés, auch Filialen großer westlicher Ketten, sind bislang in Familienbereiche für Frauen, ob allein oder in Begleitung von Verwandten, und Singlebereiche für Männer aufgeteilt. Kleine Lokale, die für eine Geschlechtertrennung nicht genug Platz bieten, durften von Frauen nicht betreten werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Manche Gaststätten in der Küstenstadt Dschidda und in teuren Hotels in der Landeshauptstadt Riad lassen bereits Frauen und Männer zusammensitzen.

Die Neuregelung ist Teil einer Liberalisierung der saudischen Gesellschaft, die von Kronprinz Mohammed bin Salman betrieben wird. In den vergangenen Jahren ließ er mehrere konservative Regelungen abschaffen. So dürfen Frauen seit zwei Jahren Sportstadien betreten, seit drei Monaten können sie das auch ohne männliche Begleitung tun. Auch gemeinsame Kino- und Konzertbesuche sind nun erlaubt. Seit August dürfen Frauen ohne Erlaubnis eines Mannes ins Ausland reisen, seit Juni Auto fahren.

Mit der Lockerung von Saudi-Arabiens restriktiver Geschlechtertrennung verfolgt bin Salman das Ziel, ausländische Investitionen anzuziehen, auch der Tourismus soll von der Liberalisierung des gesellschaftlichen Lebens profitieren: Im September führte das Land erstmals Touristenvisa ein. 2016 stellte bin Salman das Projekt Vision 2030 vor, das Saudi-Arabiens Wirtschaft modernisieren und die Abhängigkeit vom Ölexport senken soll. Derzeit gehen 87 Prozent der Staatseinnahmen Saudi-Arabiens auf die Ölwirtschaft zurück, was aufgrund tendenziell sinkender Ölpreise ein Problem für das Königreich darstellt. Auch der anstehende Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco soll dem Königshaus Milliardeneinnahmen verschaffen, die bin Salman in andere Wirtschaftssektoren investieren will.