Donald Trump vor Boris Johnson vor Angela Merkel. Der US-Präsident hat uns 2019 so sehr beschäftigt wie keine zweite Person. Sein Name taucht am häufigsten in den Artikeln auf, die wir in diesem Jahr veröffentlicht haben. Auf den Plätzen zwei und fünf finden wir den amtierenden britischen Premierminister und Theresa May, die das Amt bis Juli innehatte. Erst an dritter Stelle steht die deutsche Kanzlerin. Die erste Person, die keine Politikerin ist, ist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie erwähnten wir am achthäufigsten.

Wir wollten es dieses Jahr genau wissen: Was hat uns 2019 beschäftigt? Über wen und über was haben wir wie intensiv berichtet? Diese Fragen stellen wir uns, wie die meisten Redaktionen, regelmäßig zum Jahresende. Diesmal haben wir nachgerechnet.

Unser Tool gibt präzise Auskunft und Sie können es selbst testen: Geben Sie in das Suchfeld einen beliebigen Begriff ein. Es erscheint eine Kurve, die zeigt, wann und wie oft der Begriff bei uns vorgekommen ist. Sie können bis zu fünf Begriffe pro Suche eingeben.

Als Grundlage für die Suche dienen alle rund 11.000 Texte, die in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE erschienen sind. Berücksichtigt sind alle Autorentexte, also alle Stücke und Nachrichten, die eindeutig einem Autor zuzuordnen sind. Nicht berücksichtigt sind Videos oder Meldungen, die wir von den Nachrichtenagenturen übernommen haben. Der Zeitraum, der ausgewertet wird, umfasst fast das ganze Jahr 2019. Los geht es am 1. Januar 2019, Enddatum ist der 15. Dezember.   

Ein Thema, das uns 2019 dauerhaft beschäftigt hat, war der Brexit, der ja bekanntlich noch nicht vollzogen ist. Mehrfach wurde in diesem Jahr der Termin dafür verschoben. Quasi permanent wurde in London oder Brüssel darüber verhandelt. Die Kurve unten zeigt ziemlich genau, wann die Hochphasen dieser Debatte waren: im Januar, März, Oktober und Dezember.

Innenpolitisch hat uns auch in diesem Jahr die AfD besonders beschäftigt. Im Vergleich zu den anderen Oppositionsparteien in Deutschland – Grüne, Linke oder FDP – kam sie in unserer Berichterstattung ungleich häufiger vor. Peaks lassen sich dabei im Herbst feststellen. Ein Grund dafür sind die Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern im September und Oktober, bei denen die AfD stark abschnitt. Ein anderer Grund war ihr Parteitag im November.

Unsere Auswertung zeigt auch, wie 2019 neue Begriffe aufgekommen sind, die fortan die Debatte prägten. Zwei Beispiele: Zum Jahreswechsel 2018/2019 kannte noch kaum jemand die Fridays-for-Future-Bewegung, obwohl die schon 2018 gegründet wurde. Auch der YouTuber Rezo hatte 2018 schon viele Abonnenten, aber bei uns und in anderen Medien spielte er zu Jahresbeginn noch keine Rolle in der Berichterstattung. Das änderte sich schlagartig. Spätestens seit der Europawahl sind die beiden uns und den meisten Deutschen ein Begriff: Kurz vor der Wahl hatte Rezo ein CDU-kritisches Video veröffentlicht, das den Wahlkampf ähnlich beeinflusste wie die von Schülern dominierte Umweltbewegung.

Noch so ein Begriff, der vor ein paar Jahren noch keine Rolle bei uns spielte, inzwischen aber überaus präsent ist, ist Netflix. Sogar bei den Oscars war das Streamingportal dieses Jahr so erfolgreich wie nie zuvor und holte unter anderem mit Roma den Preis für den besten Film des Jahres. Wenig überraschend, dass auch wir im Jahr 2019 regelmäßig über Netfix-Serien und -Filme berichtet haben. Der Name fiel bei uns sogar häufiger als der der beiden größten deutschen TV-Sender ARD und ZDF. Eine Ausnahme bildet der Februar, in dem die ARD ein Jahreshoch erzielte. Allerdings waren das eher schlechte Nachrichten: Der Sender investierte viel Geld in ein sogenanntes Framing Manual, das die Wirkung der Sprache untersuchte. Das Ergebnis war eine kritische Debatte über Sprachregelungen und Zensur bei den Öffentlich-Rechtlichen.


Der Mond ist immer da, schon wesentlich länger jedenfalls als Rezo oder Netflix. Aber meistens spielt er in unserer Berichterstattung eine eher untergeordnete Rolle. 2019 war das anders. Im Juli jährte sich die erste Mondlandung zum 50. Mal und zum runden Jahrestag kam der Mond dauernd vor. Auch im Februar und April war der Mond schon mal Thema, wenn auch in geringerem Maße, als sich eine israelische Sonde auf den Weg dorthin machte.

Über das ganze Jahr begleitet hat uns das Thema Klimawandel. Anlässe gab es mehrere: Als es in diesem Sommer erneut besonders heiß war, als Tausende Kilometer Regenwald in Brasilien brannten oder als im Dezember der Klimagipfel in Madrid stattfand.

Das Tool zeigt, worüber wir 2019 verlässlich und immer wieder berichtet haben. Aber es zeigt auch Ausreißer, die für einen kurzen Zeitraum die Berichterstattung prägten. Ein markantes Beispiel findet sich im Sport: Fußball ist bekanntlich der Lieblingssport der Deutschen, kein Wunder, dass auch wir anhaltend darüber berichten. Es gab 2019 nur eine einzige Ausnahme: In der zweiten Januarhälfte war Handball für kurze Zeit der wichtigste Sport für ZEIT ONLINE. Grund war die Handball-WM und die Winterpause in der Fußball-Bundesliga.

Manche Ergebnisse der Auswertung sind erwartbar, andere überraschen uns. Dass Trump wichtig ist, war uns schon klar. Dass er so deutlich die Berichterstattung prägte, nicht unbedingt. Bei den Ländern, die in unserer Auslandsberichterstattung am häufigsten vorkamen, ist es übrigens ähnlich. Die USA führen auch diese Liste an. Es folgt mit China ein weiteres nicht europäisches Land. Auf Platz drei dann die erste europäische Nation, die allerdings mit ihrer Zugehörigkeit zur Europäischen Union hadert: Großbritannien. Deutschland kommt im Übrigen auf 12.422 Erwähnungen.

Bestimmt lassen sich unsere Nachrichtenauswahl und das Agenda Setting kritisch diskutieren. Viel Aussicht auf Besserung ist allerdings in diesem Fall nicht zu erwarten: 2020 wird in den USA gewählt. Dass es nicht wieder ein Trump-Jahr wird, können wir leider nicht versprechen.