Auf der Suche nach der Ursache für den Flugzeugabsturz bei Teheran mit 176 Toten hat die iranische Regierung ausländische Ermittler eingeladen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte mit, sie habe eine förmliche Einladung zur Teilnahme an der Untersuchung erhalten und werde dieser auch nachkommen. Die NTSB hat nach eigenen Angaben bereits Experten ernannt, die helfen sollen zu klären, ob die ukrainische Passagiermaschine wegen eines technischen Defekts abstürzte oder möglicherweise abgeschossen wurde.

Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, sprach im iranischen Fernsehen davon, dass neben Experten aus der Ukraine auch Boeing-Fachleute aus den USA, Kanada und Frankreich bei der Erforschung der Unglücksursache beteiligt werden sollten.  

Wenige Stunden nach dem Unglück am Mittwoch verdichteten sich die Hinweise, dass eine Luftabwehrrakete das Flugzeug getroffen und zum Absturz gebracht haben könnte. Es gebe Beweise, die auf eine iranische Rakete hindeuteten, sagte der kanadische Premierminister Justin Trudeau. Erkenntnisse kanadischer und anderer Geheimdienste stützten diese These. Möglicherweise sei der Abschuss ein Versehen gewesen, sagte Trudeau. Der britische Regierungschef Boris Johnson sprach einer Mitteilung zufolge von einem "Korpus an Informationen", der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise. Ähnlich äußerte sich der australische Premierminister Scott Morrison. 

An Bord der Maschine befanden sich 167 Passagiere – darunter 63 Kanadier –und neun Besatzungsmitglieder. Keiner von ihnen überlebte.

Ermittlerteam in Teheran eingetroffen

Iranischen Angaben zufolge ist das ukrainische Ermittlerteam bereits in Teheran eingetroffen, die anderen Gutachter würden in den nächsten Tagen anreisen. Ein Sprecher des Flugzeugherstellers Boeing bestätigte die Informationen nicht, sagte aber, das Unternehmen würde die Behörde unterstützen, wenn es eine Einladung gebe. Laut dem Außenministerium in Teheran steht die Teilnahme der Boeing-Experten aber fest.

Das Flugzeug war auf dem Weg von Teheran nach Kiew kurz nach dem Start abgestürzt. Der Iran hatte Spekulationen über einen Abschuss mehrfach zurückgewiesen und einen technischen Defekt als Ursache angeführt. Es sei wissenschaftlich unmöglich, dass eine iranische Rakete die Maschine getroffen habe, sagte der Chef der iranischen Luftfahrtbehörde Ali Abedsadeh der iranischen Nachrichtenagentur Irna. Auch der Transportminister des Landes bezeichnete die Gerüchte, dass ein fataler Irrtum im iranischen Raketenabwehrsystem den Absturz verursacht habe, als falsch.

Die New York Times hat nach eigenen Angaben zufolge ein Video verifiziert, dass eine iranische Rakete zeigen soll, die ein ukrainisches Flugzeug in der Nähe des Flughafens von Teheran trifft. Eine kleine Explosion habe sich ereignet, als die Rakete das Flugzeug traf, schrieb die Zeitung. Der Absturz des Flugzeugs ist auf dem von der New York Times veröffentlichen Video allerdings nicht zu sehen.

Flugzeugabsturz im Iran - Kanada vermutet versehentlichen Abschuss der Boeing im Iran Die kanadische Regierung vermutet einen Abschuss des ukrainischen Flugzeuges im Iran. Demnach soll eine iranische Boden-Luft-Rakete die Boeing 737 getroffen haben. © Foto: Reuters/Blair Gable