Das Affenhaus war unsere Mutprobe. Wer hält es da am längsten aus? Der Geruch konnte extrem sein. Wir Kinder liefen rein, hielten uns die Nasen zu, kicherten. Rannten raus, wieder rein. "Wie schaffen die Affen es nur, da zu leben?", fragte mein Cousin. Keine Ahnung. Meine Tante war sauer, dass wir uns über das Haus lustig machten. Als ich ein Kind war, war das Affenhaus im Krefelder Zoo eine Attraktion. Damals, auf der Schwelle zu den Achtzigern, war es noch recht neu, die Krefelder waren sehr stolz darauf, wie überhaupt auf ihren schönen Zoo. Zu Recht.

In der ersten Stunde des neuen Jahres ging das Affenhaus im Krefelder Zoo in Flammen auf. An die 30 Tiere starben im Feuer, fünf Borneo-Orang-Utans, ein Westafrikanischer Schimpanse, zwei Flachlandgorillas. Es verbrannten Krallenaffen, Löwenäffchen, Silberäffchen, Zwergseidenäffchen – auch Flughunde und Nagetiere. Zwei Schimpansen überlebten. Eine junge Gorillafamilie entging dem Feuer, weil sie nicht im Affenhaus selbst eingesperrt war, sondern in einem angrenzenden Gehege.

Der Verlust der Tiere geht vielen Menschen, die täglich ein Hühnchen oder ein Stück Kalb essen, so nahe, als seien Menschen gestorben. Die Tiere hatten Namen bekommen, Massa, der Gorilla, der Orang-Utan Lea mit seinem Baby Suria, Scharly, der Schimpanse. Wenn jetzt in der Presse über sie geschrieben wird, wird ihr Alter erwähnt sowie ihr Familienstand, man spricht nicht von Nachkommen, sondern von Söhnen, Töchtern und Lebensgefährten. Der Krefelder Zoo blieb verständlicherweise ein paar Tage geschlossen. In dieser Zeit kamen Trauernde und stellten Teelichte und Grablichter vor dem Tor auf. Daneben liegen Schilder, "RIP", "Ruhet in Frieden" und "Freiheit", "Wir werden euch vermissen". Fotos der Primaten liegen da und Zeichnungen, die Kinder gemacht haben. Auf der Pressekonferenz wird die Frage verhandelt, warum es keine Beerdigung geben darf. Kritik gibt es, weil eine Trauerfeier nur für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zoos veranstaltet werden soll.

Erinnerung an ein viel geliebtes Tier: In Krefeld zeigen viele ihr Mitgefühl. © Thilo Schmuelgen/​Reuters

Warum bewegt der Tod dieser Tiere so viele Menschen?

Jedes Tier im Zoo hat einen Menschen, der es besonders liebt. Das zeigt sich in kleinen Schildern neben den Käfigen, die erzählen, wer hier die Patenschaft für das Erdmännchen oder den Koalabär übernommen hat. Manchmal nimmt man sich gleich der ganzen Spezies an: Im Berliner Zoo hat sich um das neue Vogelhaus gleich ein Freundeskreis gegründet, der Besuchern – gefragt und ungefragt – die Eigenheiten der Hyazinth-Aras näherbringt. So gute alte Traditionsveranstaltungen wie die Fütterung der Robben zieht in jedem Zoo täglich Massen an.

Aber kaum eine Gruppe bekommt so viel Aufmerksamkeit wie die Affen, die streng genommen eine Untergruppe der Primaten bilden. Die Affenhäuser sind überall immer gut gefüllt, klar: Dort ist ja auch am meisten los. Da hüpfen drollige Feuchtnasenprimaten wie Makis und Loris umher. Trockennasenprimaten – eine Kategorie, in die auch Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen fallen – führen hinter ihren Scheiben ihr Affentheater auf. Sie schwingen, sie springen, sie lausen sich gegenseitig. Interessanterweise aber heißt es zum Beispiel aus dem Zoo Leipzig, dass sich ausgerechnet für die Affen nur extrem schlecht Paten gewinnen lassen. (Allerdings ist so eine Patenschaft auch besonders teuer.) Der Schimpanse schafft es nicht zum besten Freund des Menschen.