Die Kölner Staatsanwaltschaft und das Justizministerium in Nordrhein-Westfalen haben keine Erkenntnisse über einen strafrechtlich bedeutsamen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen in Bergisch Gladbach und Lügde. "Wir haben keinerlei Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Täter aus unserem Tatkomplex Bergisch Gladbach auch an den in Lügde begangenen Taten beteiligt gewesen sein könnten", sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn.

Sicherheitskreise hatten am Dienstagabend bestätigt, dass die Ermittler auf eine mögliche Querverbindung zum Fall in Lügde gestoßen seien. Demnach prüften die Behörden bereits seit Längerem Verbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Täters von Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde. "Dabei haben sich aber keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben", sagte Willuhn. 

Weder bestätigen noch dementieren wollte Willuhn Berichte, wonach Angehörige eines Beschuldigten im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach den Campingplatz in Lügde genutzt haben sollen. Über solche Querverbindungen hatten zuvor der Westdeutsche Rundfunk, der Sender RTL und der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet.

Demnach soll der Großvater des Tatverdächtigen aus Bergisch Gladbach in den Achtziger- und Neunzigerjahren auf dem Campingplatz in Lügde einen Stellplatz gepachtet haben. Auch ein Cousin des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach soll einen Campingwagen gehabt haben und diesen dann einem der Haupttäter von Lügde, Andreas V., verkauft haben.

Die Missbrauchsserie von Lügde im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen war Ende Januar bekannt geworden. Auf einem Campingplatz in der ostwestfälischen Stadt war es zu tausendfachem Kindesmissbrauch gekommen. Die meisten der betroffenen Kinder waren zur Tatzeit zwischen drei und vierzehn Jahre alt. Andreas V. und sein Mittäter Mario S. wurden im September zu dreizehn und zwölf Jahren Haft verurteilt. Zudem ordnete das Gericht bei beiden eine anschließende Sicherungsverwahrung an.

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach weitet sich aus

Im Fall Bergisch Gladbach geht es um ein kriminelles Netzwerk, das sich über ganz Deutschland erstrecken soll. Ein Netzwerk von Verdächtigen soll Kinder – teilweise auch ihre eigenen – missbraucht und Bilder der Taten getauscht haben. Die Ermittlungsgruppe Berg sucht in Chats und in beschlagnahmten Dateien nach Belegen für Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch. Mehrere Verdächtige sind in Untersuchungshaft.

Der Missbrauchsfall hat sich erneut ausgeweitet, seine Dimensionen sind auch nach monatelangen Ermittlungen gegen das Pädophilennetzwerk nicht absehbar. Aktuell gibt es bereits Verdachtsfälle in zwölf der sechzehn Bundesländer, teilte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch mit. Dem Minister zufolge sind bundesweit derzeit 36 Opfer und 51 mutmaßliche Täter identifiziert.