In einem Referendum hat sich eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer dafür ausgesprochen, die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung künftig unter Strafe zu stellen. Laut einer Hochrechnung des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern stimmten 62 Prozent der Wählerinnen und Wähler für eine Ausweitung der sogenannten Anti-Rassismus-Strafnorm.

Das Gesetz schützt bereits vor Diskriminierung und Hetze aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie. Künftig soll es zudem für die sexuelle Orientierung gelten. Konkret verbietet die Gesetzesänderung, Menschen in der Öffentlichkeit wegen ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren oder zum Hass gegen sie in Text, Sprache, Bildern oder Gesten aufzustacheln. Öffentliche Einrichtungen wie Restaurants, Hotels, Verkehrsunternehmen, Kinos oder auch Schwimmbäder dürfen künftig niemandem mehr aufgrund der sexuellen Orientierung den Einlass verweigern. Die Strafen reichen bis zu drei Jahren Haft.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Mathias Reynard sprach als Initiator der Gesetzesreform von einem historischen Tag. Das Votum sei ein "großartiges Signal" für alle, die schon einmal Opfer von Diskriminierung geworden seien, sagte er dem Sender RTS 1.

Die Schweizer Bundesversammlung hatte sich bereits 2018 für eine Ausweitung des Gesetzes ausgesprochen. Allerdings waren die rechtspopulistische Schweizer Volkspartei (SVP), stärkste Kraft im Parlament, sowie die christlich-konservative Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) dagegen und erzwangen eine Volksabstimmung. In ihren Augen beschränkt die Änderung die Meinungs- und Glaubensfreiheit.