Tausende Menschen haben sich in deutschen Städten an Protesten linker Gruppen zum 1. Mai beteiligt. In Berlin lag ein besonderer Fokus auf der Demonstration Revolutionärer Erster Mai, die von Neukölln nach Kreuzberg führt. Die Polizei sprach am Sonntagabend von etwa 14.000 Teilnehmenden. Im mittleren Teil des Protestzuges befand sich ein großer Schwarzer Block der Autonomenszene mit mehreren Hundert Menschen. Zu dem Protest unter dem Motto "Yallah Klassenkampf – No war but classwar" hatten linke und linksradikale Gruppen aufgerufen.

Am Abend kam es zu Rangeleien zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Dabei flogen Flaschen und Böller. Einsatzkräfte der Polizei setzten Reizgas ein, auch bengalische Feuer waren zu sehen. Mehrere Personen wurden festgenommen, lokale Medien berichteten von Verletzten. Die Polizei war mit rund 6.000 Beamtinnen und Beamten im Stadtgebiet im Einsatz.

Eine Sprecherin der Berliner Polizei sagte, es sei "deutlich friedlicher als in den vergangenen Jahren" gewesen. Es habe auch weniger Festnahmen gegeben. Vereinzelt seien Einsatzkräfte geschlagen oder getreten worden. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik zeigte sich "zufrieden". Die Demonstration sei "weitestgehend friedlich" verlaufen.

Bei der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor dem Brandenburger Tor musste die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ihre Rede abbrechen, nachdem ein Ei nach ihr geworfen worden war, das sie allerdings verfehlte. In den vergangenen Jahrzehnten war es am Rande von Maidemonstrationen in Berlin wiederholt zu Ausschreitungen gekommen.

Am Protest beteiligen sich palästinensische Gruppen

An dem Protest am Abend in Neukölln und Kreuzberg beteiligten sich auch zahlreiche palästinensische Gruppen. Die Polizei hatte dies erwartet, nachdem aus Sorge vor antisemitischen Vorfällen eine für Freitag geplante Demonstration palästinensischer Initiativen sowie Ersatzveranstaltungen verboten worden waren.

Viele Menschen schwenkten Palästina-Fahnen, andere skandierten "Free Palestine". In mehreren Reden wurde scharfe Kritik an der Politik Israels geäußert. Das Jüdische Forum kündigte bei Twitter an, die Demo zu beobachten und antisemitische Vorfälle zu dokumentieren. Einige Transparente und Forderungen könnten als "Aufruf zur gewaltvollen Auslöschung des Staates Israels verstanden werden", hieß es später in einem Tweet des Forums.

Bereits im Tagesverlauf gab es in Berlin mehrere Proteste und Demonstrationen. Diese verliefen friedlich. Rund 10.000 Radlerinnen und Radler fuhren durch das wohlhabende Grunewald im Westen der Stadt und demonstrierten für die Umverteilung von Reichtum. Die satirische Demonstration stand unter dem Motto "Grunewald noch lahmer legen".

In Hamburg bleibt es weitgehend ruhig

In Hamburg blieben ähnliche Demonstrationen bis zum Abend ebenfalls weitgehend ruhig. Nach Polizeiangaben zogen 1.500 Demonstrierende am späten Nachmittag vom Berliner Tor in Richtung Barmbek. Zu der Demonstration aufgerufen hatte der vom Verfassungsschutz als gewaltorientiert eingestufte Rote Aufbau Hamburg.

Am Abend zogen rund 850 Menschen nach Polizeiangaben bei einer Demonstration durch Hamburg-Wilhelmsburg. Dazu aufgerufen hatte das Bündnis Schwarz-Roter 1. Mai unter dem Motto "Verboten gut – Anarchismus in die Offensive". Der Zug wurde von behelmten Polizisten begleitet. Auch Wasserwerfer und die Reiterstaffel standen bereit. Zu größeren Zwischenfällen kam es zunächst nicht.