Bundesbildungs- und Wissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger hat die Humboldt-Universität (HU) zu Berlin nach der Absage eines Vortags von Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht kritisiert. "Es darf nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht", sagte die FDP-Politikerin der Bild-Zeitung. Gegen den Vortrag "Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt", der am Samstagnachmittag im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaft stattfinden sollte, hatten mehrere Studierendengruppen Proteste angemeldet.
So hatte der Arbeitskreis kritischer Jurist*innen Vollbrechts These, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gebe, als unwissenschaftlich, menschenverachtend und queer- und transfeindlich bezeichnet, wie es in einer Mitteilung der Gruppierung hieß. Stark-Watzinger sagte nun, "Wissenschaft lebt von Freiheit und Debatte. Das müssen alle aushalten".
Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki kritisierte die Absage – es handle sich hierbei um eine "bedenkliche Situation" sagte der FDP-Politiker der Bild. "Im Sinne der Verteidigung der Meinungsfreiheit in der gesamten Gesellschaft muss dieser Vorfall sehr ernst genommen werden." In Zukunft müsse die Hochschulleitung alle Mittel des freiheitlichen Rechtsstaats einsetzen, damit Vorträge jeder Art im Rahmen des Gesetzes abgehalten werden könnten.
Die HU hatte die Absage zunächst mit Sicherheitsbedenken begründet – zudem sei es eine "Entscheidung im Sinne der Gesamtveranstaltung gewesen", wie der Tagesspiegel die HU-Sprecherin Birgit Mangelsdorf zitiert. Es habe die Gefahr bestanden, "dass das Fest der Wissenschaften komplett durch den Konflikt um den Vortrag überschattet worden wäre", hieß es weiter. Der abgesagte Vortrag wurde von Vollbrecht derweil auf YouTube veröffentlicht.
Universität distanziert sich von Doktorandin
Auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat sich die Universität von Vollbrecht distanziert. "Grundsätzlich verstehe sich die Humboldt-Universität als ein Ort, an dem kein Mensch diskriminiert werden sollte, sei es wegen seiner Religion, seiner vermeintlichen Rasse, seiner sexuellen Identität oder wegen irgendeines anderen Merkmals, das als Unterscheidungsmerkmal angesehen wird", sagte Sprecherin Mangelsdorf.
Die "Meinungen", die Frau Vollbrecht in einem Artikel in der Welt am 1. Juni vertreten habe, stünden "nicht im Einklang mit dem Leitbild der HU und den von ihr vertretenen Werten. Die HU hat sich dem 'wechselseitigen Respekt vor dem/der Anderen' verpflichtet. Wir distanzieren uns daher von dem Artikel und den darin geäußerten Meinungen ausdrücklich." Demnach wolle man "einen Folgetermin zum Thema" organisieren, bei dem Vollbrecht sowie Vertreterinnen und Vertreter "von RefRat und Trans-Gruppen" eingeladen werden, damit "das Thema in einer der Universität angemessen Weise diskutiert werden kann". Auf Twitter formiert sich währenddessen unter anderem unter dem Hashtag #LetWomenSpeak Unterstützung für Vollbrecht.
"Radikale Mittel der Genderideologen"
Vollbrecht selbst sagte am gestrigen Samstag der Bild-Zeitung, dass die Absage sie "traurig" mache. "Das Einknicken vor radikalen gewaltbereiten Aktivisten, die kein Verständnis von Biologie haben, ist verständlich, aber alarmierend", sagte sie weiter. Es könne nicht mehr von einer sachlichen Debatte gesprochen werden, "wenn Veranstaltungen aus Angst vor Gewalt abgesagt" würden. Der Vorfall sei ein weiteres Beispiel, "mit welchen radikalen Mitteln Genderideologen vorgehen".
Die Doktorandin der Verhaltensphysiologie hatte im Juni mit vier anderen Verfasserinnen und Verfassern in einem Artikel der Welt mit dem Titel Wie ARD und ZDF unsere Kinder indoktrinieren dem öffentlichen Rundfunk vorgeworfen, die "Tatsache" nur zweier Geschlechter zu leugnen. Auf unterschiedlichen Kanälen gebe es demnach eine "aufdringliche Sexualisierung" und eine "bedrohliche Entwicklung" der Sendeanstalten. Von dem Text hatte sich unter anderem Springer-Verlagschef Matthias Döpfner distanziert.
Bundesbildungs- und Wissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger hat die Humboldt-Universität (HU) zu Berlin nach der Absage eines Vortags von Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht kritisiert. "Es darf nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht", sagte die FDP-Politikerin der Bild-Zeitung. Gegen den Vortrag "Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt", der am Samstagnachmittag im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaft stattfinden sollte, hatten mehrere Studierendengruppen Proteste angemeldet.