Zwischen den Jahren war mein Onkel aus dem Norden Deutschlands zu Besuch in Berlin. Wir saßen bei meiner Cousine am Esstisch und aßen frisch gebackenen Zitronenkuchen. Neben dem geschmückten Tannenbaum nippte er an seiner Kaffeetasse. "Du bist doch Journalist", sagte mein Onkel, und ich nickte. "Ich mache mir Sorgen. Wegen der AfD." Er stellte seine Tasse auf den Tisch. "Wann, lieber Eser, müssen wir das Land verlassen?" Ich wusste nicht, wie ich reagieren soll.

Seit der Veröffentlichung des Correctiv-Berichts über das geheime Treffen in Potsdam ist klar, was wir eigentlich schon alle wussten: Die AfD und ihre Faschofreunde wollen, dass nicht weiße, nicht christliche Menschen, wie beispielsweise mein Onkel und ich, sich in Deutschland nicht sicher fühlen. Sie wollen, dass wir uns fürchten. Sie wollen, dass wir das Land verlassen, ohne dass sie dafür einen Finger rühren müssen. Dass ihr "Masterplan" zur "Remigration", der nichts anderes als Deportationen beschreibt, Wirkung zeigt, selbst wenn sie nicht an der Macht sind und vielleicht nie kommen werden.