Natürlich spielen hierbei auch das Alter und Entwicklungspsychologie eine Rolle. Mit dreijährigen Kindern redet man anders als mit einer 14-jährigen. Kinder unter fünf Jahren verfügen über ganz andere kognitive Verarbeitungsmuster als 10-jährige.

So ist bei kleinen Kindern das "magische Denken" noch ausgeprägt, was die schon angesprochenen Schuldgefühle enorm verstärken kann. So, wie das kleine Kind glaubt, es gäbe den Osterhasen "entgegen alle Vernunft" wirklich, so glaubt es auch, dass die Eltern sich trennen, weil es einmal im Auto herumgeschrien hat und der Vater darauf sagte: "Ich halte es mit diesem Kind nicht mehr aus." Generell sollten sich Eltern mit kleinen Kindern vor solchen Sätzen hüten, die das Selbstwertgefühl ihres Kindes beschädigen oder ihm seine Geborgenheit nehmen.

Dies gilt besonders für Kinder, deren Eltern sich trennen wollen oder bereits getrennt haben. Ein älteres Kind verfügt, wenn die Eltern sich trennen, über bessere Schutzmechanismen, es kann sich bei seinen Freundinnen und Freunden, von denen die eine oder der andere vielleicht schon ein ähnliches Schicksal erlitten hat und damit jetzt schon ganz gut hinkommt, Hilfe und Zuspruch holen.

Trotz all dieser Unterschiede aber gibt es auch einige allgemeine Grundsätze, die Eltern beachten sollten. Zunächst ist es wichtig, es dem Kind überhaupt mitzuteilen und es damit auf die bevorstehende Trennung von einem Elternteil vorzubereiten. Alles andere verstärkt irrationale Ängste und irrationale Erklärungsversuche auf Seiten des Kindes. Das gilt übrigens auch für Kinder, die noch gar nicht sprechen können. Ihnen sollte man es in einer freundlichen und liebevollen Atmosphäre sagen: "Mama und Papa werden sich trennen. Wir wissen, dass du darüber traurig bist, dass dir der Papa (oder die Mama) fehlen wird. Aber wir haben es so beschlossen. Dennoch werden wir beide weiter für dich da sein und dich lieb haben." Man schaut das Kind dabei liebevoll und intensiv an, denn gerade der Blick ist das wichtigste Kommunikationsmittel für die noch ganz Kleinen. Die Kinder spüren dann die Sicherheit, weiterhin geliebt zu werden, die ihnen Halt gibt. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die 3-Jährigen wie für 10-Jährigen: Das Kind anschauen und nicht den Blick von ihm abwenden, während man es ihm mitteilt, sich zu trennen.

Eltern sollten von vornherein akzeptieren, dass das Kind die Trennung seiner Eltern nicht will. Sätze wie "Versteh doch, wir verstehen uns nicht mehr, und da ist es doch das beste, Papa zieht aus", oder "Ich habe jemanden getroffen, den ich einfach lieber hab als die Mama (oder den Papa)", verfehlen deshalb völlig ihr Ziel. Ältere Kinder stimmen dem zwar manchmal zu, um weiteren Streit zu vermeiden oder um sich wenigstens einen ihnen wohl gesonnenen Elternteil zu erhalten, aber mit einem "Verständnis" für die Trennung, auf das die Eltern spekulieren, hat dies nicht das Geringste zu tun.

Generell gilt, dass Sie als Eltern dem Kind zusammen sagen, dass sie sich trennen werden, und nicht um den heißen Brei herumreden, sondern es den Kindern als eine Tatsache mitteilen. Sie sollten sich auf dieses Gespräch gemeinsam vorbereiten, denn das Kind wird es wahrscheinlich sein Leben lang im Gedächtnis behalten. Es ist also sehr wichtig, was Sie sagen und dafür sollten Sie sich auch Zeit nehmen und danach beide ansprechbar bleiben.

Sie sollten dem Kind, wenn es zutrifft, sagen, dass sie sich geliebt haben, als es entstanden ist und dass sie es egal, was kommen mag, immer lieben und für es da sein werden, beide. Sprechen Sie bei den Kindern auch an, dass diese das Recht haben, über die Trennung traurig und wütend zu sein und dies auch aussprechen dürfen. Sagen Sie dem Kind oder den Kindern, dass es keinerlei Schuld an der Trennung hat. Dass Sie sich vor dem Kind nicht gegenseitig schlechtmachen, sollte selbstverständlich sein. Wenn nicht, verständigen Sie sich dahingehend vor dem Gespräch.

Ältere Kinder etwa ab 9 Jahren können Sie, nachdem Sie ihnen den Entschluss, sich zu trennen, mitgeteilt haben, fragen, was sie von Scheidungen wissen, ob sie jemand kennen (sicherlich!), dessen Eltern nicht mehr zusammen sind. Sie können die Kinder fragen, ob sie das Gefühl haben, diese Kinder seien unglücklicher als andere und ihnen so ermöglichen, über ihre eigenen Ängste und Befürchtungen für die Zukunft zu sprechen.

Betonen Sie, dass sie weiterhin zuverlässig für das Kind da sein werden, und sprechen Sie darüber, was Sie als nächstes vorhaben und wie sich ihr gemeinsamer Alltag in nächster Zeit vermutlich gestalten wird. Sagen Sie dem Kind, dass Sie es weiterhin genauso lieb haben wie vorher und dass Sie weiterhin genauso gut für es sorgen werden. Sprechen Sie auch über ihre und die Ängste ihres Kindes, wenn es sich ergibt.

Aber betonen Sie, dass Sie die Zukunft für ihre Kinder trotz der schmerzhaften Veränderungen weiterhin so schön gestalten wollen, wie es geht. Die Kinder müssen in diesem Moment, wo ihnen das Liebste genommen wird, in ihre Zukunft vertrauen können und darauf, dass ihnen beide Eltern erhalten bleiben. Ihre Eltern verschwinden nicht von der Bildfläche und vielleicht engagieren sie sich für ihre Kinder fortan besonders – gerade aus der Erfahrung, auf der Beziehungsebene gemeinsam Schiffbruch erlitten zu haben und weil jetzt – hoffentlich – die ständigen Auseinandersetzungen wegfallen.