Gesterkamp hat nun die Denkfiguren dieses Teils der Szene untersucht und stellt drei zentrale Muster heraus: Erstens werden Opfermythen verbreitet, nach denen Männer immer und überall benachteiligt seien. Das zweite Muster bezeichnet er als "Anti-Etatismus" – öffentliche Institutionen würden für schuldig befunden, die Gleichstellung bevormundend voranzutreiben. Und als drittes Muster nennt er den Tabubruch. Die Männerrechtler spielten sich als progressive Denker auf, die es endlich wagten, gegen Denkverbote der political correctness vorzugehen.

All das kann man einfach unter dem Lichte der Meinungsfreiheit betrachten. Was Gesterkamp allerdings darüber hinaus analysiert, ist die bedenkliche Nähe einiger Männerrechtler zu rechtem Gedankengut, auch wenn diese überwiegend keine Neonazis seien. Es gäbe aber immer wieder Überschneidungen und Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen. Arne Hoffmann zum Beispiel, Verfasser des Blogs Genderama, versorgte seine Leser regelmäßig mit Artikeln der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit.

Auf der Seite free-gender.de  würde sich eine Gruppe darüber austauschen, dass Gender Mainstreaming Genderterror sei, der abgeschafft gehörte, berichtet er. Diese Gruppe besuchte im September 2009 das "Fest der Völker", ein Treffen von Neonazis in Thüringen.

Viele Akteure der Männerrechtlerszene hätten keinerlei Berührungsängste, mit der Jungen Freiheit zusammenzuarbeiten. Der Journalist Jürgen Liminski, Politikredakteur des öffentlich-rechtlichen Senders Deutschlandfunk, schrieb zum Beispiel in der Jungen Freiheit, die familienfeindliche Politik der Gleichstellung entziehe "der Keimzelle des Volkes schleichend die Lebensgrundlage". Der Intendant des Deutschlandradios hat sich nicht zu diesem Text geäußert.

Die Reaktionen in der Männerbewegung selbst, mit all ihren Gruppen und Grüppchen, pro- und antifeministischen Impulsen, sind erwartungsgemäß sehr gemischt. Einige, zum Beispiel die Fachzeitschrift Switchboard, sehen die Umtriebe der Männerrechtler sehr kritisch und fordern eine genderdialogische Männerpolitik. Auch die Männerarbeit der Evangelischen Kirchen Deutschlands denkt ähnlich und verfasste in der Kontroverse um den Bremer Soziologen Gerhard Amendt einen offenen Brief, der dazu aufrief, mit unsachlichen und polemischen Äußerungen das wichtige Thema Männerarbeit nicht zu verunglimpfen. Amendt hatte behauptet, Frauenhäuser seien Orte des Männerhasses und sollten abgeschafft werden.