Dreijährige Kinder gehen im Westen Deutschlands im Schnitt schon zu über 80 Prozent in den Kindergarten, im Osten zu 90 Prozent. Doch auch in Krippen und in der Tagespflege werden immer mehr ganz kleine Kinder angemeldet. Durchschnittlich jeder fünfte Einjährige wird dort betreut (12 Prozent im Westen und 57 Prozent im Osten), von den Zweijährigen sind es fast 40 Prozent. Und die Zahlen steigen. Das berichtet der Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010 der Bertelsmann Stiftung .

Es wird auch investiert in die frühkindliche Bildung. Die Ausgaben pro Kind sind zwischen 2005 und 2007 in Deutschland um 12 Prozent gestiegen. Allerdings geht die Höhe der Investitionen in den einzelnen Bundesländern stark auseinander. Berlin investierte mehr als 4000 Euro für jedes Kind unter sechs Jahren, Hamburg 3400 Euro. Schleswig-Holstein gab nur knapp 2000 Euro pro Kind aus. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg schnitten ähnlich schlecht ab. Allerdings sind die Zahlen relativ alt, sie stammen aus dem Jahr 2007 und manches Bundesland könnte inzwischen die Investitionen erhöht haben.

Immerhin soll es ab 2013 das Recht auf einen Krippenplatz für über Einjährige geben. Geplant war, für 35 Prozent aller Kleinkinder Plätze zu schaffen. Doch nun sieht es so aus, als würde das gar nicht reichen. Die Leiterin der Studie, Anette Stein, sagte der Süddeutschen Zeitung , der Bedarf steige weiter und bleibe nicht bei irgendeiner Prozentmarke stehen. Der Studie zufolge steigt er sogar in Ostdeutschland noch, wo es bereits die meisten Krippenkinder gibt. Der Städtetag forderte deshalb eine Neuberechnung des Betreuungsbedarfs.

Personal kostet am meisten. Wer vielen Ein- und Zweijährigen einen Krippen-Platz anbietet, braucht entsprechend mehr Erzieher, da im Krippenbereich der Betreuungsschlüssel höher ist als im Kindergarten. Die Ausgaben der östlichen Bundesländer sind deshalb mit im Schnitt rund 3.000 Euro pro Kind insgesamt höher als in den westlichen Ländern.

Außerdem erhöhen sich die Personalkosten, wenn die Betreuungszeiten verlängert wurden. Hier geht die Spannbreite zwischen den Ländern auch weit auseinander. Ganztagsbetreuung wird in Bayern von 25 Prozent der Krippenkinder in Anspruch genommen, in Thüringen jedoch zu 86 Prozent. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt die Ganztagsbetreuung in Baden-Württemberg bei nur zwölf Prozent und in Thüringen bei 90 Prozent. Das der Bedarf in Wirklichkeit so weit auseinandergeht ist jedoch unwahrscheinlich. Es mangelt am Angebot.

In gute Kitas zu investieren, lohnt sich. Das haben Bildungsökonomen schon lange festgestellt. Die Bildungschancen vor allem für benachteiligte Kinder steigen. Eine frühkindliche Betreuung wird deshalb für Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht gut Deutsch sprechen, als besonders sinnvoll empfunden. In den westdeutschen Ländern sind Kleinkinder mit ausländischen Wurzeln zu rund 33 Prozentpunkten seltener in Krippen zu finden als die mit deutschen Wurzeln. Aber auch hier fallen die Quoten von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich aus. In Baden-Württemberg gehen Migrantenkinder fast genauso häufig in die Kita wie die deutschstämmigen. In Bayern und Schleswig-Holstein ist die Differenz hingegen sehr hoch (20 Prozentpunkte). Woran es liegt und wie man die Angebote gestalten muss, damit der Kindergarten für ausländische Eltern attraktiv wird, muss noch untersucht werden.

Doch natürlich ist es nicht nur relevant, eine Menge Kinder bis in die Abendstunden zu versorgen, sondern auch, dass die Pädagogen ausreichend Zeit für jedes Kind finden. In ostdeutschen Krippen werden beispielsweise oft sehr viele Kinder pro Erzieher betreut. Zugleich stellt sich die Frage, wie die Qualität der Kitas evaluiert wird. In diesem Punkt geht die Praxis in den Bundesländern noch weit auseinander, so dass sie kaum zu vergleichen ist.