Das Bundesverfassungsgericht hat ledigen Vätern am Dienstag das Recht eingeräumt, sich auch dann um ihre Kinder zu kümmern, wenn die Mutter dies nicht wünscht - vorausgesetzt es dient dem Kindeswohl. Dies könnte für viele Eltern Konsequenzen haben. Ein Überblick über die Gründe für die Entscheidung und mögliche politische und gesellschaftliche Folgen:

Wie sah das Sorgerecht bisher aus?

Mit der Reform des Kindschaftsrechts 1998 wurde es unverheirateten Eltern erstmals ermöglicht, die elterliche Sorge für das Kind gemeinsam zu tragen. Allerdings nur mit Zustimmung der Mutter: Sie musste beim zuständigen Jugendamt bislang schriftlich erklären, dass sie dem gemeinsamen Sorgerecht zustimmt. "Gegen eine missbräuchliche Weigerung der Mutter, dem Vater das Mit-Sorgerecht zu geben, konnte ein unverheirateter Vater bislang nichts tun. Er hatte nur dann eine Chance,  wenn es gravierende Mängel bei der Fürsorge durch die Mutter gab", sagt Ingeborg Rakete-Dombek, Fachanwältin für Familienrecht in Berlin. Bei verheirateten Eltern hingegen steht das Sorgerecht automatisch Vater und Mutter zu.

Wie begründen die Richter ihr Urteil?

Die bestehende Rechtslage stellt nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts einen unverhältnismäßigen Eingriff in das Elternrecht des Vaters dar. Prinzipiell haben die Richter nichts dagegen, dass die unverheiratete Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht erhält. Auch müsse dem Vater nicht automatisch die Mit-Sorge  übertragen werden, sobald er seine Vaterschaft anerkennt. Dass er bisher aber gar keine rechtliche Möglichkeit hatte, vor Gericht überprüfen zu lassen, ob eine gemeinsame Sorge tatsächlich dem Kindeswohl widerspricht, sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, argumentieren die Richter.

Dass das Karlsruher Gericht die Rechte lediger Väter stärken würde, war zu erwarten gewesen. Schon 2003 hatte das Bundesverfassungsgericht die Politik beauftragt, zu überprüfen, wie oft ledige Mütter den Vätern das Sorgerecht aus Gründen verweigern, die mit dem Kindes offensichtlich nichts zu tun haben. Und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte Ende 2009 in einem ähnlichen Fall beanstandet, dass das deutsche Sorgerecht unverheiratete Väter gegenüber verheirateten oder geschiedenen diskriminiere.

Wer hatte geklagt?

Der Vater eines 1998 nichtehelich geborenen Sohnes. Die Eltern trennten sich während der Schwangerschaft. Der Mann erkannte seine Vaterschaft an, die Frau wollte sich die elterliche Sorge aber nicht mit ihm teilen. Der Sohn lebt seit der Geburt bei seiner Mutter, trifft seinen Vater aber regelmäßig. Als die Mutter mit dem Sohn umziehen wollte, beantragte der Vater beim Familiengericht, der Mutter das Sorgerecht teilweise zu entziehen – ohne Erfolg. Auch vor dem Oberlandesgericht konnte er sich nicht durchsetzen. Die Richter in Karlsruhe hoben nun den Beschluss des Familiengerichts auf.