Wenn die Kinder von Bullerbü   aus ihrer Schule – etliche Kilometer von ihrem Drei-Höfe-Dorf entfernt – nach Hause gehen, lassen sie sich Zeit. Sie kaufen noch ein paar Bonbons, gehen auf dem Zaun statt auf dem Weg, fallen in Wassergräben, treffen interessante Menschen. Manchmal fragen die Eltern dann, was sie so lange getrieben haben. Ängstlich wirken die Erwachsenen bei Astrid Lindgren aber nicht.

Boston, Berlin und Bielefeld sind nicht Bullerbü. Nicht einmal Brakel und Bargteheide sind Bullerbü. Überall lauern Gefahren, nicht so harmlose wie schwedische zornige Ziegenböcke oder bissige Hunde, sondern: Autos, Drogendealer, Kinderschänder. Moderne Eltern gehen die Wand hoch, wenn ihre Kinder fünf Minuten später als geplant aus der Schule, vom Musikunterricht oder der Sportstunde kommen. Jedenfalls setzen darauf die Anbieter von Dienstleistungen wie Trackyourkid oder Kidfinder: Sie helfen, mit elektronischen Mitteln, den Aufenthaltsort des Nachwuchses herauszufinden.

Am einfachsten ist die Handy-Ortung wie mit Trackyourkid : Eltern lassen das Mobiltelefon ihres Kindes registrieren und erfahren dann durch einen Anruf, bezahlbar per Jahres- oder By-Call-Gebühr, wo das Balg jetzt wieder steckt. Beziehungsweise dessen Handy – es könnte auch sein, dass der Ranzen mit Telefon ordnungsgemäß in der Schule steht, während Sohnemann auf der Parkbank kifft.

Eine andere Technik ist von der "elektronischen Fußfessel" abgeschaut, die für verurteilte Straftäter eine Alternative zur Haft sein soll. Der In Reach Child Tracker etwa ist ein Band, das mit einem Gerät in den Händen der Eltern Kontakt hält, allerdings nur über geringe Entfernungen. Auch hier gilt: Legt das Kind die Fessel ab, geht die Ortung irre. Das Ion Kids Child Tracking System hat deshalb am armbanduhrähnlichen Sender einen Verschluss, den nach Angaben des Herstellers kein Unbefugter öffnen kann – damit ist vor allem das Kind gemeint. Zudem meldet ein Sensor, wenn der Sender keinen Hautkontakt mehr hat.

Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit (!) und Mikrointegration IZM versucht dagegen, den Nachwuchs zu überlisten: mit dem Kidfinder . Der passt nämlich in die Slots von gängigen tragbaren Spielekonsolen, ohne die eh kein Kind das Haus verlässt. Sowohl über das Mobilfunk-Netz GSM als auch über die Satellitennavigation GPS bestimmt das Ding seine Position und teilt sie den Eltern auf Anforderung per SMS mit. Handelsübliche Kartensoftware verwandelt die Koordinaten dann in ein Kreuzchen auf dem Stadtplan.

Das Fraunhofer-Institut und das mit der Entwicklung zur Marktreife betraute Potsdamer Ingenieurbüro Schmidt rühmen sich, dass die Anzeige auf bis zu fünf Meter genau funktioniert. Denn die Handy-Ortung verrät lediglich, in welcher Mobilfunk-Zelle sich ein Nutzer gerade aufhält – die Zellen sind in der Stadt einige hundert Meter, auf dem Land sogar mehrere Kilometer groß. GPS ist genauer. Trotzdem verzichtet der Kidfinder nicht auf Mobilfunk, weil der meist auch im Inneren von Gebäuden funktioniert, während GPS-Signale nicht durch Wände und Dächer dringen.

Der Kidfinder ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und wiegt weniger als 80 Gramm. Der Akku reicht für zwei Tage, aber das Gerät soll ja ohnehin in der Spielekonsole bleiben, aus der es dann Energie bezieht. Damit die Kinder einen Anreiz haben, es mitzunehmen, erweitert das Ortungsmodul die Funktionen der Konsole um Geo-Informationen, etwa für Geländespiele.