Für die kleine Maja ist die Entscheidung nur eine Formsache. "Papa ist sehr klug, immer hilfsbereit und sagt die Wahrheit", schwärmt die Neunjährige von ihrem Vater und fällt ein eindeutiges Urteil: "Er ist der Beste!" Verlieren kann Sven Sellmer angesichts dieser Lobeshymnen der eigenen Tochter kaum mehr, wenn er am Freitagabend während einer Gala ins Rennen um den Titel "Vater des Jahres" geht.

Noch aus einem weiteren Grund ist der 41-Jährige schon jetzt ein moralischer Sieger: Es ist ein polnischer Wettbewerb, bei dem eine ganze Nation ihren Super-Papa sucht, und Sellmer steht als erster Deutscher im Finale.

Die Jury hat ihn unter mehr als 20.000 Teilnehmern zu einem von drei Preisträgern gewählt. "Ich weiß nur noch nicht, ob es am Ende der goldene, der silberne oder der bronzene Engel wird", sagt der gebürtige Kieler, der mit seiner polnischen Frau Izabella und Tochter Maja in Posen lebt.

Dort hat der Ordenspriester Bogusław Baranski den Väter-Wettbewerb vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Doch was in katholischen Kirchenkreisen als regionales Kuriosum begann, wird mittlerweile von der Regierung in Warschau gefördert und vom polnischen Staatsfernsehen vermarktet. Der kirchliche Rahmen ist zwar erhalten geblieben, wie Baranski betont. "Wir lauschen am Finalabend einem Oratorium des Breslauer Komponisten Roman Kołakowski", sagt er. Zugleich aber erinnern die schlanken Engelsstatuen, mit denen die nominierten Super-Väter ausgezeichnet werden, werbewirksam an die Oscar-Figuren in Hollywood.

Ein Protestant in einem katholischen Wettbewerb

" The winner is... " – für Maja Sellmer ist natürlich der eigene Papa der Sieger. Die Neunjährige hat ihren Vater zum Wettbewerb angemeldet. "Ich dachte, man kann es ja mal versuchen – kostet ja nix", erzählt die Grundschülerin und fügt lachend hinzu: "Schwein gehabt!" Ehefrau und Mutter Izabella Sellmer sagt: "Ich hätte nie gedacht, dass ein evangelischer Schleswig-Holsteiner bei einem polnisch-katholischen Wettbewerb eine Chance hat".

Warum die Jury ausgerechnet einen Deutschen in den Kreis der Finalisten gewählt hat? Priester Baranski sagt: "Wir wollen zeigen, dass Väter nicht immer nur streng sein müssen, sondern auch durch Einfühlsamkeit Autorität ausstrahlen können." Der werdende Super-Papa kann sich die Nominierung trotzdem nicht erklären. "Ich habe das zuerst für einen Scherz gehalten", berichtet Sellmer über den Moment, als ihn der Pfarrer anrief.

Der Doktor der Philosophie will seinen Einzug ins Finale ohnehin nicht überbewertet wissen: "Der erste Preis geht sicher an einen Vater, der mindestens drei Kinder hat – und das völlig zu Recht", sagt er. Aber die kleine deutsch-polnische Familie der Sellmers ist durchaus etwas  Besonderes. "Wir leben seit 2004 in Posen und unterrichten beide an der Universität", erzählt der Vater lapidar. Dort hatten sich die Germanistin Izabella und Sven auch kennengelernt, als er in den 90er Jahren aus purer Neugier an einem Polnisch-Sommerkurs teilnahm.