"Mein Bauch gehört mir!" In den siebziger Jahren war das einer der beliebtesten Schlachtrufe des Feminismus für einen legalen Schwangerschaftsabbruch. Es entsprach einer überkommenen Moralvorstellung, dass Schwangerschaftsabbrüche strafbar waren. Und es widersprach zu Recht der Idee des selbstbestimmten Lebens.

Mittlerweile haben die Frauen in dieser Hinsicht jede Freiheit erreicht. Mehr noch, vierzig Jahre später sind es plötzlich die Männer, die sich benachteiligt fühlen – mit ähnlich gutem Grund.

So mussten sich unverheiratete Väter in der Vergangenheit teilweise bis zum Europäischen Gerichtshof durchklagen, um in Deutschland gegen den Willen der Mutter das gemeinsame Sorgerecht geltend zu machen. Immer noch keine Stimme haben sie, wenn es um die grundsätzliche Frage nach dem Austragen des Kindes geht: Der Mann hat keine juristische Möglichkeit, sich für oder gegen das Kind zu entscheiden.

Natürlich ist es eine gruselige und falsche Vorstellung, eine Frau zum Austragen des Kindes zu zwingen, nur weil es ihr Partner möchte. Allerdings gibt es auch keinen Grund, warum ein Mann gegen seinen Willen den Familienwunsch der Frau finanzieren sollte.

Aus diesem Grund muss der juristische Rahmen um Geburt und Sorgerecht überarbeitet werden. Männern brauchen eine ähnliche Entscheidungsfreiheit wie die Frauen.

Das juristische Pendant zur Abtreibung könnte wie folgt aussehen: Wenn eine unverheiratete schwangere Frau sich für das Kind entscheidet, ist sie zunächst verpflichtet, den werdenden Vater zu informieren. Innerhalb eines Monats hätte der Vater das Recht, die Elternschaft zu verweigern und damit "juristisch abzutreiben". Die letzte Entscheidung hätte schließlich die Mutter: Möchte sie das Kind weiterhin alleine austragen, muss sie auch die Konsequenzen alleine tragen.

Dieser Ansatz hätte einige Vorteile. Zum einen wäre damit die Gleichstellung von Mann und Frau in der Familienplanung garantiert. Zum anderen ergäben sich aus den Pflichten auch neue Rechte: Nimmt ein Mann die Schwangerschaft an, müsste er die Partnerin nicht nur finanziell unterstützen, sondern hätte auch Ansprüche auf das Sorgerecht.

Überhaupt müssten sich im Idealfall schon vor der Geburt beide Seiten über grundlegende Modalitäten einigen. Ein Ja zum Kind wird dadurch eindeutig. Und von einem klaren Verhältnis zwischen Vater und Mutter profitiert schließlich auch der Nachwuchs.