Liebe Kommentatoren, ich habe mit Interesse Ihre Anmerkungen und Anregungen zum Interview mit mir gelesen. Sie reagierten auf die These im Text, dass arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen oft die nötige Anerkennung und Orientierung fehlt, und dass viele Missverständnisse entstehen: sowohl zwischen Schülern und Lehrern, als auch zwischen Lehrern und Eltern.

Das Buch, das Ausgangspunkt des Interviews war, hat knapp 200 Seiten. Entsprechend kann in dem Interview nur schemenhaft dargestellt werden, worum es geht. Deshalb möchte ich einige klärende Ergänzungen anfügen, die meine/unsere Grundannahmen verdeutlichen.

Ich möchte vorab allerdings betonen, dass sich die Situation vieler Jugendlicher aus Migrantenfamilien durchaus verbessert. Wer skeptisch ist, kann eigene Feldstudien betreiben und die Fachhochschulen und Universitäten besuchen, wo sie inzwischen erfolgreich studieren. Dennoch gibt es noch viele Probleme, und genau diese thematisieren wir.

Durch Zuwanderung Vorteile für alle Seiten

Nicht nur die Migranten konnten – zumindest zum Teil – ihre Lebenssituation durch die Einwanderung verbessern. Auch die Einheimischen haben profitiert, denn ohne die Zuwanderung in die Arbeiterschicht hätten die deutschen Arbeiter nicht derart umfassend aufsteigen können. Man stelle sich die Gesellschaft wie ein Haus vor: Ohne Erdgeschoss geht es nicht. Wenn nun alle Einheimischen eine Etage aufsteigen wollen, geht dies nur, wenn andere das Erdgeschoss auffüllen.

Diese "Unterschichtung" hat schon mit der Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Man darf sich durchaus skeptisch fragen, wie es in den 1950ern unter den Einheimischen angekommen wäre, wenn gut gebildete Migranten gekommen wären, die die Vorarbeiter-, Angestellten- und Führungspositionen übernommen hätten.