Die verkrampfte Debatte ums Betreuungsgeld ist wieder da. Familienministerin Kristina Schröder will zwar dessen Einführung immer noch nicht verhindern, aber sie würde es gerne kürzen. Nur zwölf Monate anstelle von zwei Jahren sollen die Eltern das Trostgeld von 150 Euro im Monat bekommen, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen, statt sie in die Krippe zu schicken. In der Koalition kommt das nicht gut an. Die CSU ist empört, weil sie auf die vereinbarten zwei Jahre pocht, die FDP wollte das Betreuungsgeld von Anfang an gar nicht. Es steht nun aber im Koalitionsvertrag.

Es wird Zeit, sich zu einigen. Der August 2013 ist gar nicht mehr so lange hin. Dann haben Eltern nämlich einen Anspruch auf einen Krippenplatz für ihr mindestens einjähriges Kind, und ab dann sollte auch das Betreuungsgeld gezahlt werden.

Schröder rudert jedoch nicht zurück, weil sie den Unsinn dieser Prämie erkannt hätte. Sie sagt, angesichts der Haushaltslage sei "eine gewisse Bescheidenheit" angesagt. Außerdem will sie den Kritikern das schöne Schimpfwort "Herdprämie" austreiben, das sich für das Betreuungsgeld eingebrannt hat. Auch Eltern, die Teilzeit arbeiten, dürften – wenn es nach Schröder geht – fürs teilweise zu Hause bleiben, Betreuungsgeld beziehen. Wenn nun der Gerechtigkeit halber auch Studenten und Hartz-IV-Empfänger 150 Euro pro Monat kriegen, haben wir fast wieder das alte Erziehungsgeld , nur obendrauf auf das Elterngeld im ersten Jahr. Also doch eine gute Sache? Ein paar Euro mehr können schließlich alle gut gebrauchen.

Aber worum geht es eigentlich? Ein bisschen Geld für alle nach dem Gießkannenprinzip ist nur auf den ersten Blick gerecht – es hilft gegen die wirklichen Probleme nicht. Bescheidenheit in der Familienpolitik ist erst recht nicht angesagt. Gute Krippen und Tagesmütter hingegen werden für Mütter und Väter gebraucht, die den Anschluss an den Beruf nicht verpassen wollen oder dürfen. Aber vor allem brauchen wir sie dringend für Kinder mit problembeladenen oder bildungsfernen Eltern oder aus Familien, die die deutsche Sprache nicht sprechen. Sie profitieren vom Kindergarten und von der Krippe am meisten. Arme Kinder haben in Deutschland immer noch wenig Chancen, aus dem Teufelskreis auszubrechen, in dem ihre Eltern stecken. Das einzige, was zuverlässig hilft, ist frühkindliche Bildung.

Für die brauchen wir nicht nur den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, sondern auch hohe Ansprüche an dessen Qualität. Qualifizierte Erzieher und Erzieherinnen müssen mit Sprachproblemen umgehen können und die Zeit finden, jedes Kind nicht nur liebevoll zu betreuen, sondern seine individuelle Talente zu fördern. Dafür muss man investieren, nicht sparen. Es wird sich später auszahlen, wenn die Fachkräfte gebraucht werden.

Wenn man den Eltern in Schwierigkeiten Geld anbietet, so dass sie ihre Kinder nicht in die Kita schicken, schadet man ihnen, statt ihnen zu helfen. Für alle Mütter und Väter bleibt es trotzdem eine private Angelegenheit, ob sie sich entscheiden, wenig oder gar nicht zu arbeiten und ihr Kind erst später in die Kita zu schicken.

Kristina Schröder hat zwar Recht: An der "Herdprämie" zu sparen lohnt sich – aber nicht aus Bescheidenheit, sondern um das Geld in gute Kinderbetreuung zu investieren.