Darum soll es heute jedoch nicht gehen. Rasch bringt die Kursleiterin das Gespräch zurück auf die wesentlichen Dinge: "Wenn sie voll Stillen wollen, achten Sie darauf, dass Sie zur Sicherheit Milchpulver im Haus haben. Die Muttermilch geht Ihnen garantiert dann aus, wenn sie es am wenigsten gebrauchen können." Oder auch: "Wenn das Kind normal angezogen ist,  sollte die Temperatur im Raum nicht über 20 Grad liegen. Wenn sie das Baby baden, drehen sie die Heizung vorher auf."

Einige zeichnen den Vortrag mit  ihren Smartphones auf. Die wichtigsten Schritte werden sie aber ohnehin als dreidimensionale Animationen geschickt bekommen, um sie sich daheim in Ruhe anschauen und nachmachen zu können. "Seien Sie versichert: Eine Schwangerschaft können Sie nicht planen. Sie funktioniert nicht automatisch, wie ihr Smartphone oder das Netzwerk. Sie müssen wieder lernen, auf ihren Körper zu hören", mahnt die Krankenschwester. Milena wackelt unsicher auf ihrem Sitzball hin und her. "Mein Körper hätte mir aber nicht sofort gesagt, wenn unser Kind einen Gendefekt hätte. Ich bin froh, dass wir die Tests gemacht haben", flüstert sie ihm zu.

Noch vor ihrer Entscheidung, ein Kind zu bekommen, haben sich Milena und Alexander von ihrem Genetic Counselor auf mehr als 7.000 monogene Erbkrankheiten testen lassen. Ein Tropfen Blut auf einem Biomarker genügte. Das Verfahren ist schnell und einfach und lieferte dem Paar zugleich die Gewissheit, dass sein Baby gesund sein wird. Die beiden hätten es für unverantwortlich gehalten, Nachkommen zu zeugen, wenn wegen schwerwiegender Mutationen das massive Risiko einer Erkrankung bestanden hätte.

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"Wie wird Ihr Kind denn aussehen?", fragt Milenas Sitznachbarin in der Pause. Sie und ihr Mann hätten sich für blonde Haare, einen olivfarbenen Teint und braune Augen entschieden. "Wir lassen die Natur entscheiden. Mein Mann hat griechisches Blut, das macht es irgendwie spannend", antwortet Milena. Ausführlich hatte sie die Möglichkeiten der Eigenschaftswahl diskutiert, dann aber beschlossen, das Geld lieber in ein Kindermädchen zu investieren.

Denn sowohl Alexanders Eltern als auch Milenas Vater und Mutter sind noch einmal voll in den Job eingestiegen. Die fitten Alten haben keine Zeit, sich um ihr Enkelkind zu kümmern. "Wir haben uns auch nicht vorab auf ein Geschlecht festgelegt", fügt Alexander schnell hinzu, obwohl er schon gern ein Mädchen gehabt hätte. Das Paar gegenüber wirft sich einen vielsagenden Blick zu: "Ökos also". Stimmt, denkt Alexander. Aber wer will schon so vorherbestimmt leben?